Aktuell:
Homophobie ist heilbar!
Rückblick auf eine erfolgreiche CSD-Woche
Eine ereignisreiche CSD-Woche liegt nun fast hinter uns - mit 35 Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ich freue mich, dass Ihr - auch heute - trotz der großen Hitze aufs Baden am See verzichtet habt und schon die ganze Woche so zahlreich zu unseren CSD-Veranstaltungen gekommen seid.
Das CSD-Motto in diesem Jahr heisst wieder "Homophobie ist heilbar". Ein Thema was uns sehr am Herzen liegt und überdies hochaktuell ist, wofür ich ein Beispiel nennen möchte.
Wir hatten Anfang der Woche eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Homophobie im Fußball" und am selben Tag lautet eine BILD-Schlagzeile: "Ballack-Berater spricht von „Schwulen-Combo“ bei der Nationalelf" Diese Schlagzeile bezog sich auf einen Artikel im Spiegel, wo der Journalist Alexander Osang schreibt: „Alle Sportjournalisten schienen die Geschichten von der vermeintlichen großen homosexuellen Verschwörung um die Mannschaft von Joachim Löw zu kennen.“
Wir haben lange gerätselt, was denn eigentlich eine "homosexuelle Verschwörung" ist - und das gerade bei unserer Nationalelf? Aber wirklich verstehen, lässt sich das wahrscheinlich nur, wenn man(n) noch viele Vorurteile in sich trägt, oder?
Es gibt besonders homophobe Bereiche in unserer Gesellschaft - nicht nur im Fußball, sondern überall dort, wo patriarchalische Strukturen vorherrschen oder besondere Männlichkeitskulte gepflegt werden - sei es in männlich dominierten Chefetagen, in der katholischen Kirche oder bei der Bundeswehr. Dort scheint Schwulsein immer noch ein beliebter Grund zum Denunzieren zu sein. Aber die Opfer dieser Denunzierung sind nicht nur wir Schwulen, sondern auch alle Männer, die nicht dem üblichen Macho-Klischees entsprechen wollen. Wie eben auch unsere neue junge Nationalelf, deren Spielweise - Zitat Spiegel - "Irgendetwas Leichtes, Tänzerisches, Schönes, Freudvolles" an sich hatte und sich anscheinend allein deshalb verdächtig gemacht hat.
Am Dienstag haben wir dann darüber diskutiert, ob es einen neuen Hass auf Homosexuelle gibt? Es sollte uns zu denken geben, dass in Umfragen an Schulen, die Abneigung gegen Lesben, Schwulen und Transgender wieder zugenommen hat. Und das, obwohl wir in den letzten Jahren große Fortschritte bei der rechtlichen Gleichstellung gemacht haben. Aber solange es eben nicht die volle rechtliche Gleichstellung gibt, scheint das ein Grund für andauernde Diskriminierung und Ausgrenzung zu sein. Deshalb ist es auch so wichtig, dass im Grundgesetz der Gleichheitsartikel 3 um das Merkmal "sexuelle Identität" ergänzt wird. Eine totale Gleichstellung mit der Ehe erhalten wir nur, wenn statt der eingetragenen Lebenspartnerschaft die Ehe als Institution für uns geöffnet wird. Viele Länder sind uns da schon einige Schritte voraus, gerade erst gestern hat Argentinien, als erstes südamerikanisches Land die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet.
Aber um die Vorurteile aus den Köpfen zu verdrängen, bedarf es mehr als neue und bessere Gesetze. Wenn wir uns aktuelle User-Kommentare im Internet anschauen, dann wird dort das ganze Spektrum an Vorurteilen und homophoben Gedankengut geäußert, was wir eigentlich schon überwunden dachten. Bei einigen scheint Homosexualität immer noch irgendwie ansteckend zu sein und natürlich müssen auch Kinder vor uns geschützt werden. Andere User geben sich auch fürsorglich und empfehlen obskure Homo-Heilungsmethoden.
Dass gegen solchen Schwachsinn nur möglichst frühzeitige Aufklärung und Bildung hilft, hat meine Vorrednerin schon ausführlich dargelegt. Hinzufügen möchte ich nur, dass auch andere gesellschaftliche Bereiche, Verantwortung für Aufklärung und Bildung haben. Gerade im Freizeitbereich wie z.B. im Sportverein gäbe es genug Möglichkeiten, frühzeitig das Entstehen homophober Einstellungen zu verhindern.
Wir wissen, in unserem Kampf gegen Homophobie müssen wir geduldig und vor allem ausdauernd sein - und wir sind dabei auch auf die Einsicht und Unterstützung der Heteros angewiesen! Mein Beispiel mit unserer Nationalelf zeigt, dass letztlich auch Heteros davon profitieren, wenn die Homophobie in den Köpfen verschwunden ist.
Ich danke Euch allen, die Ihr Euch diesem Demozug angeschlossen habt, und speziell den Heteros, denn wir brauchen Euch, damit Homophobie in Zukunft keine Chance mehr hat!
Redemanuskript von Dirk Bockelmann (Pressesprecher des CSD in Leipzig)





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