Statement zur Aktion rosa Kirche

Statement zur Aktion rosa Kirche


Im Rahmen der Auswertung des CSD Leipzig und des erhaltenen Feedbacks wurden auch die symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche zum CSD-Straßenfest ausführlich besprochen.

2016-csd-markt-fotografie-freydank_01Wir freuen uns, dass so viele Menschen an der Aktion teilgenommen und sogar vor der rosa Kirche angestanden haben. Der große Zuspruch bestätigt, es gibt eine Sehnsucht, bedingungslos willkommen zu sein. Auch die vom CSD-Plenum zur Durchführung der symbolischen Trauungen angefragte Ute Elisabeth Gabelmann war von der Zahl und Vielfältigkeit der Menschen beeindruckt.

Allerdings gab es auch Kritik, die Aktion wäre eine reine Spaßaktion und würde insbesondere die christliche Religion diffamieren.
Dem möchten wir auch öffentlich noch einmal entschieden widersprechen.

Natürlich war die Aktion auch mit einem leichten Augenzwinkern verbunden – die Botschaft der symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche war für uns jedoch von Beginn an klar: Ein großer Teil der LGBTI* Community ist religiös. Wir wollten mit dieser Protestaktion ein generelles Statement setzen, dass in keiner Religion die Liebe ihrer gleichgeschlechtlichen Anhänger*innen so gleichwertig behandelt wird, wie die heteronormative Ehe. Das ist ein trauriger Fakt.
Deshalb haben wir den Aufruf zur rosa Kirche auch mit der Forderung kombiniert: Dass die Wertigkeit einer Ehe nicht von der Zusammenstellung ihrer Partner*innen abhängig sein sollte.
Dies kann man sowohl auf den LGBTI* Kontext beziehen, aber z.B. auch auf die Frage der Ehe geschiedener Menschen.
Der CSD hat nicht die Absicht Religionen zu diffamieren, auch nicht insbesondere die christliche, aber wir treten ihnen kritisch gegenüber und legen den Finger in die Wunde. Und das ist auch in Anbetracht der Geschichte der CSD-Bewegung wichtig.
Natürlich ist es so, dass durch eine aufblasbare rosa Kirche insbesondere das Christentum, in den Fokus gerückt wird. Die katholische und evangelische Kirche ist jedoch auch die maßgebliche in Deutschland und symbolisiert hier mit ihren Sakralbauten Religion im Allgemeinen.

Zu keiner Zeit stellten wir die Wertigkeit einer religiösen Ehe in Frage. Vielmehr verdeutlicht die Aktion, wie groß der Wunsch vieler Menschen nach einer gleichwertigen Anerkennung ihrer Liebe ist.

Letztendlich haben wir unser Ziel erreicht und einen Diskurs wieder angestoßen. Eine inhaltliche Debatte ist auf einem Straßenfest nicht zu leisten. Dafür gibt es die vorangestellte Veranstaltungswoche, in der wir es immerhin geschafft haben, dass beim Podiumsgespräch im Neuen Rathaus zwei Weltreligionen, Judentum und Islam, ins Gespräch gekommen sind.

Abschließend möchten wir alle religiösen LGBTI* dazu ermutigen Diskriminierungen in ihrer Religionsgemeinschaft nicht stumm hinzunehmen. Ergreift das Wort, sprecht mit den Vertreter*innen der Religionen, stellt althergebrachte, vielleicht konservative Auffassungen und Auslegungen in Frage. Es gibt Ansprechpartner*innen.
Taddiken grüner PulloverIn Leipzig ergänzt die evangelische Thomaspfarrerin Britta Taddiken ihre Botschaft: „Ihr braucht keine rosa Plastik -Kirchen, geht in die realen und redet mit uns.“
Sollte einem diese Bereitschaft jedoch konsequent verwehrt werden, hier möchten wir aus unserer Podiumsdiskussion den orthodoxen Rabbiner Zsolt Balla zitieren, „…muss jeder Mensch wissen, ob diese Religion dann die richtige für ihn/sie ist und nicht vielleicht doch eine andere, die der eigenen Lebenswirklichkeit entspricht“.