CSD OPENING PARTY @ KISSKISSBANGBANG

In diesem Jahr eröffnet die KISSKISSBANGBANG zum dritten Mal den CSD. Aufgrund des großen Zuspruchs in den letzten beiden Jahren spendet wieder jeder Besucher einen Euro für die Ausrichtung des Leipziger CSDs mit dem Eintritt. In den beiden Vorjahren sind hierdurch jeweils über 1000 Euro zusammengekommen.

Die umwerfende Unterstützung, die wir in den letzten sechs Jahren von der mitteldeutschen LGBTQI-Szene erhalten haben, möchten wir damit ausdrücklich zurückgeben.

Ab 22 Uhr starten wir daher mit Kevin Neon und unseren Allstars Maringo und Darc Delirium.

ab 22 Uhr.
Eintritt: 22:00 Uhr – 22:59 Uhr: 6€, ab 23:00 Uhr: 9€
Club Twentyone, Gottschedstraße 2, 04109 Leipzig 

 

Prideball 2015 – die Mega-Abschlussparty zum Leipziger CSD 2015

Ort: Täubchenthal, Wachsmuthstraße 1, 04229 Leipzig

Veranstalter*in: emotion works

Den Höhepunkt des Leipziger CSDs bildet wie immer der Prideball, die größte Gay-Party des Jahres in Leipzig und der offizielle Abschluss der CSD Woche, zu dem über 1.500 Gäste aus allen Himmelsrichtungen erwartet werden.

Mittlerweile nicht mehr aus dem Partyplaner der ostdeutschen Szene wegzudenken, laden die Veranstalter aus den Hot-Spots der Republik alle Szene-Stars ein, die auf den Dancefloors Rang und Namen haben.

Ab 21 Uhr öffnet für dieses große Ereignis eine der außergewöhnlichsten Veranstaltungsorte Leipzigs, das Täubchenthal, in Leipzig Plagwitz, seine Türen. Die prachtvolle Event-Location mit riesigem Außengelände bereichert erst seit kurzem die Leipziger Landschaft und gilt noch immer als ein Geheim-Tipp! Euch erwarten ein Ballsaal mit Bühne, dem sich eine großzügige Galerie anschließt, eine weitläufige Terrasse, ein Clubzimmer sowie ein großes, angegliedertes Open-Air-Gelände.

Feiern, tanzen, flirten – lasst euch in 5 Areas und von der Location, der ehemaligen Kammgarn-spinnerei, verzaubern. Wie immer wird die Party groß, wild und bunt – und das Ganze über 2 Ebenen!

Los geht es ganz entspannt mit dem mittlerweile traditionellen Sektempfang und ruhigen Klängen im Außenbereich. Und ab 22 Uhr stehen für euch dann 3 Floors mit einem bunten Mix aus vielen Musik-Genres und einer fantastischen Riege an Star-DJs und Acts bereit, um dem Anlass entsprechend heftig und wild zu feiern.

Gewaschen hat sich das Line-Up der Nacht wahrlich. Wie es sich für den krönenden Abschluss der CSD-Woche gehört, wird in dieser Nacht wieder einiges aufgeboten, um mit euch musikalisch gemeinsam auszurasten.

Im Central Circus könnt ihr zu den derzeit angesagtesten DJs kollabieren. Die Rede ist von Chris Wacup aus Frankfurt und andererseits von Kid Rox aus Berlin (u.a. Propaganda und Kit Kat Berlin), die mit ihren Electro- und Vocalhouse-Sets alle Tanzbeinschwinger herausfordern werden. Den krönenden Abschluss bilden dann die Leipzigerinnen Schana (Girlz Edit/Conne Island Leipzig) & kikimike. Sie verwöhnen eure Ohren mit feinstem Deep- und Techhouse.

Freut euch im Kitsched Club auf Jurassica Parka (SchwuZ), der omnipräsenten Super-Transe aus Berlin, die zusammen mit DJ MaX (Pink Inc. Hamburg) und xBrayne (Urban Diamonds/Turm Halle) die tollsten Diskohymnen aus Pop, Disco und Black auflegen.

Und aufgrund des tollen Erfolges im letzten Jahr beglückt euch auf unserem dritten Floor wieder DJ derMicha (SchwuZ Berlin), der euch Schlager um die Ohren fliegen lässt.

Alle Infos zum Prideball 2015, eine Anfahrtsbeschreibung zur Location, Übernachtungsmöglichkeiten und die Ticketbestellmöglichkeiten findet ihr auf der offiziellen Party-Homepage www.prideball.de.

Wer schnell ist, kann sich dort auch eines der begehrten „Earlybird Tickets“ sichern.

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Aufruf zum CSD in Leipzig 2015

Vor zwölf Jahren hat der Bundestag das Lebenspartnerschaftsgesetz beschlossen, um die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zu beenden. Doch die rechtliche Gleichbehandlung mit der Ehe wurde nur Schritt für Schritt gegen erbitterten politischen Widerstand juristisch erkämpft. Zwölf Jahre haben engagierte Jurist*innen1 benötigt, um das verfassungsmäßige Recht auf Gleichbehandlung bei der Hinterbliebenenvorsorge, der Erbschaftssteuer, der Einkommenssteuer und vielen anderen gestzliche Regelungen durchzusetzen.
Und trotzdem erfahren Lesben, Schwule, Transgender* und intersexuelle Menschen immer noch Ungerechtigkeiten und Verletzungen ihrer Persönlichkeitsrechte durch Behörden, Institutionen oder medizinische Einrichtungen. Es gibt leider noch viele Gründe für die CSD-Bewegung auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren.
 
Die Würde des Menschen ist unantastbar! Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
 
Wir fordern, dass sich jeder Mensch, homo-bi-trans-inter-lesbisch-schwul-hetero, frei und sicher in Leipzig und anderswo bewegen kann. Niemand sollte körperliche, psychische, verbale und/oder strukturelle Gewalt zu befürchten haben! 
 
Das steht u.a. im Grundgesetz, aber die Realität sieht häufig noch so aus:
Die Erfüllung des Kinderwunsches gleichgeschlechtlicher Paare durch Insemination bzw. In-vitro-Fertilisation wird im Vergleich zu Ehepaaren durch die Richtlinie der Bundes- und Landesärztekammer verweigert, mit der Begründung, dass es kein positives Recht auf nicht-eheliche Fortpflanzung gibt. Im Hinblick auf das Kind verbiete es sich, einer alleinstehenden Frau oder gleichgeschlechtlichen Paaren einen Kinderwunsch zu erfüllen; die Samenspende wird als Therapieform zur Behandlung von Sterilität der Ehe verstanden, heißt es dort.
Ohne gesetzliche Grundlage werden lesbische Paare beim Zugang zu fortpflanzungsmedizinischen Maßnahmen ausgeschlossen. Die Kosten für eine künstliche Befruchtung müssen demzufolge im vollen Umfang selbst getragen werden. Der Freistaat Sachsen ist das erste und einzige Land bundesweit, dass seit März 2009 staatliche Zuschüsse für künstliche Befruchtungen an heterosexuelle Paare zahlt. (Ehepaare, die sich einen Kinderwunsch durch künstliche Befruchtung erfüllen wollen, müssen lediglich den Eigenanteil für die erste Behandlung komplett selbst tragen. Für eine zweite oder dritte Behandlung erhalten Sie einen Zuschuss von jeweils 900 Euro. Die vierte Behandlung wird sogar mit 1.600 bis 1.800 Euro bezuschusst.)
Kinder, die in eine Eingetragene Lebenspartnerschaft hineingeboren werden, haben prinzipiell nur eine Mutter. Die Lebenspartnerin kann nur durch eine Stiefkindadoption die Elternschaft rechtlich erwirken. Bei Ehepaaren ist keine Adoption des Vaters notwendig, auch wenn das Kind über eine Samenspende durch fortpflanzungsmedizinische Maßnahmen entstanden ist. Kinder, die in eine Regenbogenfamilie hineingeboren werden, haben manchmal zwei Mütter und einen Vater oder zwei Väter, die sich um sie kümmern. In unserer pluralistischen Gesellschaft muss es möglich sein, die soziale Elternschaft auch rechtlich abzusichern.
Wir fordern deshalb die Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe im Adoptionsrecht und im Personenstandsrecht und die volle rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien sowie das kleine Sorgerecht für mehr als eine Person.
Nahezu sämtliche Gesellschaftsformen auf der Welt weisen Strukturen auf, die als „heteronormativ“ gekennzeichnet werden können. Heteronormativität, also das unhinterfragte Hinnehmen eines für natürlich gehaltenen Systems bestehend aus Mann und Frau, die sich gegenseitig und ausschließlich begehren, führt zu weitreichenden Ausschlüssen für all jene, die nicht in dieses System passen: Homosexualität und Bisexualität als eine andere Form des Begehrens werden ebenso marginalisiert, d.h als Abweichung von der Norm gewertet und sanktioniert, wieTransgender* und Intersexe als andere Formen von Geschlechtlichkeit. Der sich daraus ergebende Heterosexismus ist ein unzumutbarer Zustand.
Heteronormativität gilt es zu dekonstruieren und zu überwinden! Die Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Lebens-, Liebens-, und Familienformen sowie aller Geschlechtlichkeiten sollte das Ziel sein. Mit der Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe ist das Ziel nicht erreicht. Vielmehr geht es darum weitere Vervielfältigungen umzusetzen, d.h.einen Rechtsstatus zu schaffen, der allen Menschen offen steht und somit beispielsweise Mehrfachbeziehungen diesen Rechtstatus nicht vorenthält. Weiterhin fordern wir die Abschaffung von Ehegattensplitting, aber dafür die Einführung von „Familiensplitting“, denn Familie findet dort statt, wo Menschen für Kinder und einander Verantwortung übernehmen.
Wir fordern die Anerkennung von und respektvollen Umgang mit Geschlechtern und Orientierungen jenseits von Heteronormativität.
Unkenntnis und Vorurteile gegenüber Lesben, Intergeschlechtlichen Menschen, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern*, stellen eine wesentliche Triebfeder für Diskriminierungen bis hin zu Gewaltdelikten dar. Diese lassen sich nur dadurch bekämpfen, indem nicht nur strukturelle Veränderungen, wie z.B.die rechtliche Gleichstellung, eingefordert werden. Maßgeblich müssen Haltungen verändert werden, was unter anderem durch umfassende Aufklärungs-,Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit möglich ist. In Forschung und Lehre erfährt der Themenkomplex „sexuelle Identitäten“ kaum Beachtung. Eine moderne, aufgeklärte und lebensweltbezogene Sexualpädagogik ist weder Studierenden an Sächsischen Hochschulen zugänglich noch findet sie ihre Entsprechung in den Lehrplänen der sächsischen Schulen und in der Vorschulbildung.
Wir fordern deshalb, der Gender- und Sexualpädagogik eine größere Beachtung in der Hochschul- und Bildungspolitik zuzuweisen!
Intergeschlechtlichkeit, also das Aufweisen körperlicher Merkmale beider Geschlechter bzw. eine uneindeutige Geschlechtlichkeit, wird von der Medizin als „Sexualdifferenzierungsstörung“ bezeichnet und meist ohne medizinische Notwendigkeit „behandelt“. Auch intergeschlechtliche Menschen besitzen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, deshalb ist es inakzeptabel, dass der Gesetzgeber zwingend eine rechtliche Einordnung in die Geschlechter „Mann“ oder „Frau“ vorsieht. Das deutsche Rechtssystem muss die Existenz intergeschlechtlicher Menschen akzeptieren.
Die Pathologisierung von Intergeschlechtlichkeit und damit einhergehend der Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit hat zur Folge, dass Kinder mit uneindeutigen Genitalien in der Regel kurze Zeit nach der Geburt geschlechtsangleichenden Operationen (z.B. Kastration, Klitorisverkleinerung, Anlegen einer Neovagina) unterzogen werden, die in vielen Fällen mit Komplikationen verbunden sind und oft lebenslange Hormontherapien nach sich ziehen. Von vielen Betroffenen wird dies im Nachhinein als äußerst traumatisierend beschrieben.
Wir fordern ein gesetzliches Verbot medizinischer Eingriffe sowie den sofortigen Stopp der gängigen medizinischen Praxis an Intersexen. 
 
Außerdem fordern wir für intergeschlechtliche Menschen und deren Erziehungsberechtigten eine umfassende, neutrale Aufklärung, die Anerkennung von Intergeschlechtlichkeit als natürliche Variante von Geschlechtlichkeit sowie eine entsprechende standesamtliche Geschlechtsbezeichnung. 
 
Transgender* müssen das Recht haben, ihre Lebensweise selbst zu bestimmen – in ihrer Identität bei, der Ausgestaltung ihrer Geschlechtsrolle wie auch bei ihrer Partner*innenwahl. Transgender* mussten bisher für die gerichtliche Feststellung einer Änderung ihrer Geschlechtszugehörigkeit nachweisen, dass Sie nicht verheiratet sind, dauernd fortpflanzungsunfähig sind und sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen haben, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist. Mit der Operation sollte dem Gesetz nach „die Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit“ der Transsexualität unter Beweis gestellt werden. Diesen Zwang haben die Karlsruher Richter des Bundesverfassungsgerichts nun für unvereinbar mit der Menschenwürde und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit erklärt und damit das Transsexuellengesetz außer Kraft gesetzt.Trotzdem werden Transgendern* oft die von ihnen gewünschten Hormonbehandlungen und Operationen – insbesondere im Jugendalter – vorenthalten bzw. nur über einen langen juristischen und psychopathologischen Weg ermöglicht. Dies steht im krassen Widerspruch zu Operationen, die an intergeschlechtlichen Menschen scheinbar selbstverständlich und in der Regel ohne deren Zustimmung vorgenommen werden. Weiterhin ist die Alltagsdiskriminierung, der sie sich stellen müssen, massiv.
Wir fordern dementsprechend Gleichwertigkeit und volle gesellschaftliche Anerkennung geschlechtlicher und sexueller Identitäten und Körperlichkeiten wie Intergeschlechtlichkeit und Transidentität. 
 
Wir fordern eine neue Definition der rechtlichen Anforderungen an eine Veränderung des Geschlechts in den amtlichen Registern. 
 
Lesben und Schwule werden weltweit in rund 80 Staaten strafrechtlich verfolgt, wobei insbesondere Transgender in vielen Ländern massiven Übergriffen ausgesetzt sind – bis hin zu Folter und Mord. Verfolgerstaaten verhindern seit langem, dass diese unhaltbare Situation auf UN-Ebene als Asylgrund anerkannt wird. Wir fordern deshalb die Anerkennung der Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung bzw. Identität als Asylgrund und Zuzugsregelungen für Lebenspartner/-innen!
Wir fordern, dass den Menschen, die sich selbst als asexuell beschreiben, gesellschaftliche Sichtbarkeit und politische Interessenvertretung geschaffen wird.
Wir fordern,dass die Vielfalt sexueller Identitäten auch im Alter frei von Diskriminierung gelebt werden kann. Besonders in Pflege- und/oder Wohneinrichtungen für ältere Menschen sollte der Umgang damit selbstverständlich sein.
Wir fordern die Ausformulierung des Zusatzes von § 46 StGB. 
In diesem werden „rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige menschenverachtende“ Ziele des Täters als Strafzumessungsgrund in der Strafzumessungsregel des Paragraphen besonders hervorgehoben. Wir begrüßen den Zusatz an sich, befinden ihn aber für unzureichend. Bleibt es bei der Formulierung „sonstiger menschenverachtender“ Motive, sind interphobe, homophobe und/oder transphobe Gewalttaten weiterhin unsichtbar. Sie müssen benannt werden.
Abschließend: 
Wir fordern, dass die hier benannten Probleme als gesamtgesellschaftliche Probleme begriffen werden! Das bedeutet, dass es sich bei ausgrenzendem und diskriminierendem Verhalten nicht um Probleme Einzelner oder gesellschaftlicher Teilgruppen handelt, sondern um etwas, das in allen Milieus zu finden ist und das sich als Struktur durch die Gesellschaft zieht!
Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie können außerdem nicht losgelöst von anderen Ungleichheiten betrachtet und schon gar nicht verändert werden! Wir kritisieren ebenso weitere gesellschaftliche Machtverhältnisse wie sie sich z.B. in Sexismus, Rassismus, Klassismus, Diskriminierung auf Grund von Aussehen und Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen ausdrücken! Eine Emanzipation einer Gruppe kann und darf nicht auf Kosten anderer erfolgen!

Entstehen politischer Forderungen

Radikalisierung im Umfeld der Friedensbewegung
Der erste Teil der „Stonewall-Rebellion“ bis zum Ausbruch des Feuers dauert ganze 45 Minuten. Es gibt mehrere Verletzte. Dreizehn Personen werden verhaftet. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Kunde in der Szene, dass sich die Gays zu wehren begonnen haben. Als am nächsten Tag viele Schwule und Lesben vor das Stonewall ziehen, um den Ort des Aufbruchs zu besichtigen, finden sie dort eine Menge Kreideinschriften an den Wänden: „Support gay power!“, „Drag power!“, „They invaded our rights“, „Gay is good“ und immer wieder „Gay Power!quot;

Robert Amsel, ab der zweiten Nacht Zeuge der Ereignisse, stellte 1987 im US-Homo-Magazin „Advocate“ die Frage, ob die Unruhen in der Christopher Street unter diesen Umständen überhaupt „irgend etwas mit schwul-lesbischen Rechten zu tun“ gehabt hätten. Auch wenn die Eruption in der Christopher Street eher ein Zufall gewesen sein sollte, die, wie Spötter sagen, verstärkt wurde durch die Trauer der Homos um die am gleichen Tag beerdigte Judy Garland: Die „Haarnadel-Revolte“, wie sie zunächst genannt wurde, erlangte eigene Bedeutung und versetzte der Homo-Emanzipation einen kräftigen Schub über die bieder-bürgerlichen Anstrengungen der 60er Jahre hinaus. Die kurze Zeit später gegründete Gay Liberation Front (GLF) hatte eine eindeutig linke Ausrichtung und orientierte sich an der Friedens-, Das Angeln im Winter ist selbst für erfahrene Amateure, die normalerweise keine Angst vor schlechtem Wetter und Regen haben, eine ziemlich große Herausforderung. Die Wohnungen hier werden oft in den Hintergrund gedrängt, und zuerst kommt das Bedürfnis nach bequemer, warmer und bequemer Kleidung, die der Kälte gut widerstehen könnte. Zum Outfit gehören in der Regel Thermoanzug , zu dem eine Jacke, gut isolierte Overalls, bei deren Herstellung nur modernste Technik eingesetzt wurde, gehören. Black-Power- und Frauenbewegung jener Zeit. Auch dort hatte es Radikalisierungen gegeben, und Gay Lib war eingebunden in die durch Hippiekultur und den Protest gegen den Vietnam-Krieg gekennzeichnete Auf- und Umbruchstimmung. An die Stelle höflichen Protestierens durch bürgerliche Homophile aus der Anzugträger-Ecke trat nun militante Konfrontation.

40 Jahre CSD-Bewegung – Wie es in New York begann

Im New York der 60-er Jahre herrschte gegenüber Homosexuellen ein repressives Klima. Lokale, in denen Männern mit Männern oder Frauen mit Frauen tanzten, waren verboten. Deshalb entstanden überall private lizensierte Clubs, die ein paar Dollar für eine Tagesmitgliedschaft verlangten. Ein solcher Treff war auch das „Stonewall Inn“ an der Christopher Street im Greenwich Village.

Razzien waren dort nichts Ungewöhnliches. An diesem 27. Juni 1969 hatten die Beamten einen Durchsuchungsbefehl für das Stonewall Inn in der Christopher Street. Tatsächlich schufen sie eine Legende, die in den letzten fast vierzig Jahren manches bewirkt hat: Die Razzia gilt als Beginn einer weltweiten Emanzipationsbewegung der Homosexuellen.

Bürgerkrieg im Village

Zunächst verlief die Razzia, die mit illegalem Alkohol-Ausschank begründet wurde, recht geordnet, keine Rede von Emanzipations-Rebellion: Zwei Tresenkräfte, drei Drag-Queens und eine Lesbe wurden festgenommen, die übrigen Gäste auf die Christopher Street geleitet. Die so versammelte Gruppe wurde durch Passanten noch verstärkt, schließlich waren es um die 1 000 Menschen. Die Menschenmenge draussen wurde ungeduldig und bald kippte die Stimmung, als eine festgenommene Lesbe zu einem Polizeiauto gebracht werden sollte. Sie setzte sich zur Wehr, riss sich los. Rufe wie „Schweine“ und „Faggot cops“ waren zu hören, die Polizisten wurden mit Gegenständen beworfen und suchte innerhalb des Lokals Schutz. Pflastersteine flogen, Benzin wurde ausgeschüttet und angezündet.

Im gleichen Moment traf Polizeiverstärkung ein: mehrere Hundertschaften im Kampfanzug und mit Schutzhelm. Für mehrere Stunden herrschte „Bürgerkrieg in Greenwich Village“, wie die „New York Daily News“ später schrieb. Auch andere Zeitungen berichteten ausführlich über den Aufstand.

An den Folgetagen lieferten sich weiterhin Hunderte von Schwulen, Lesben und Drag-Queens Strassenschlachten mit der Polizei. Schätzungsweise 4 000 Schwule, Lesben und Drag-Queens waren auf den Straßen. An den eigentlichen Krawallen beteiligten sich einige hundert.

Es war das erste Mal, dass sich die Betroffenen nicht mehr alles bieten ließen und sich zu wehren begannen. Die homosexuelle Befreiungsbewegung war geboren: In den USA und in vielen anderen Ländern entstanden Menschrechtsgruppen , welche die Diskriminierung von Homosexuellen nicht mehr hinnehmen wollten. Die Wut verwandelte sich in Stolz.

Seither gedenken Lesben und Schwule auch in Europa diesem identitäts-stiftenden Ereignis mit dem „Christopher Street Day“ oder der „Gay Pride“.

Botschaft zum CSD Leipzig 2015

Im Allgemeinen spielt die Frage der Sexualität vor allem im Jugendalter eine große Rolle. Da man gerade im Schulalter die eigene Sexualität selbst das erste Mal wahrnimmt, ist es auch in dieser Zeit besonders wichtig, Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass die Vielfalt an Formen der Sexualität ganz normal zum Leben dazu gehört.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass in jedem Fach zu jeder Zeit jede Form der Sexualität behandelt werden muss. Es geht nicht darum, Textaufgaben generell auf homosexuelle Familien umzustellen, sondern darum, Heterosexualität nicht als die einzige Möglichkeit darzustellen. So könnten beispielsweise in sprachlichen Fächern, Bücher mit der Thematik des Findens der eigenen Sexualität in den Lesekanon aufgenommen werden. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass über sexuelle Orientierungen ohne Ängste gesprochen werden kann – ergo: ein Coming-Out muss durch den Lehrplan als selbstverständlich vermittelt und darf nicht totgeschwiegen werden.

Vor allem durch einen zeitgemäßen und vielfältigen Sexualkundeunterricht, in dem nicht nur Heterosexualität als einzige Form der Sexualität behandelt und damit als „normal“ dargestellt wird, muss diese Thematik stärker beleuchtet und eine bessere Aufklärungsarbeit gewährleistet werden. Besonders sollten dabei die angewendeten Methoden den heutigen Standards angepasst und regelmäßig evaluiert werden.
Insgesamt kann und muss die Schule einen großen Beitrag dazu leisten, Diskriminierungen und Ausgrenzungen vorzubeugen, um Schüler*innen, egal welcher Sexualität und Lebensweise, mehr Selbstbewusstsein zu geben und ihnen die Freiheit einzuräumen ihre individuelle Persönlichkeit zu entwickeln.
Der StadtSchüler*innenRat Leipzig unterstützt entschieden die Forderung nach einem inklusiven und vielfältigen Bildungsplan im Freistaat Sachsen.

Marco Rietzschel und Sarah Hönemann, Stadtschüler*innenRat Leipzig

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Grußwort des US-Generalkonsuls Scott R. Riedmann

Auch in diesem Jahr ist es uns wieder eine große Freude, den Christopher Street Day in Leipzig zu unterstützen und damit ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Toleranz zu setzen.

In Deutschland wie in den USA ist die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender weitestgehend im Gesetz verankert. Dennoch ist Diskriminierung für viele LGBT Alltag. Der Christopher Street Day steht in diesem Jahr unter dem Motto „Du, ich, wir sind HOMOsapiens“. xannonce.ch. Er legt den Fokus auf Gleichberechtigung als universelles Menschenrecht, von dem auch die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton im Jahr 2010 sprach, als sie sagte: „Gay rights are human rights, and human rights are gay rights, once and for all.“

Die zahlreichen Veranstaltungen zum Christopher Street Day in Leipzig sind das Ergebnis langer Vorbereitungen und großem ehrenamtlichem Engagement. Dafür will ich den Organisatoren danken und wünsche allen Mitwirkenden und Gästen einen gelungenen CSD 2015!

Scott R. Riedmann
US-Generalkonsul Leipzig

Grußwort der Staatsministerin Petra Köpping

Der Rückblick zeigt: Dass im Jahr 1969 in New York Schwule, Lesben und Transsexuelle auf die Straße gingen, um für ein tolerantes Miteinander zu kämpfen, hat etwas in Gang gesetzt. Der CSD war ein wichtiges Element auf dem Weg zum gesellschaftlichen Umdenken. Auch in diesem Jahr versammelt das Festival mit politischem Hintergrund wieder tausende von Menschen. Das Leipziger Motto: „Du, ich, wir sind HOMOsapiens“ stellt die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund, die es trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe zwischen allen Menschen gibt.

Der Tag hilft gleichzeitig, den Blick zu schärfen für die alltägliche Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Trotz der Liberalisierung in den vergangenen Jahren wird Homosexualität auch in Deutschland nach wie vor an der vorherrschenden Norm der Heterosexualität gemessen und als Abweichung dargestellt. Niemand sucht sich aus, homosexuell, bisexuell oder transsexuell zu sein. Deshalb ist Aufklärung und Bildungsarbeit, wie sie zum Beispiel von den Vereinen Gerede e.V., Different Poeple e.V. und Rosa Linde e.V. geleistet wird, wichtig. Den „Besorgten Eltern“ kann man eigentlich nur sagen: Homophobie ist eine Bildungslücke.
Die Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt sollte selbstverständlich sein. Eine moderne Gesellschaft sollte sich dadurch auszeichnen, dass jeder Mensch in seiner persönlichen Lebensführung frei ist – so lange er nicht die Freiheit des Anderen beeinträchtigt. In einer modernen Gesellschaft sollte Pluralität nicht als Bedrohung empfunden werden, sondern als Normalfall.
Auch deshalb wird das Land Sachsen die Eingetragenen Lebenspartnerschaften in den Landesgesetzen und Verordnungen in den kommenden zwei Jahren verankern – so hat es die Koalition vereinbart. Vielfalt ist normal – und das ist auch gut so!

CSD-Leipzig gibt thematische Schwerpunkte bekannt

Die „Besorgten Eltern“, die sogenannten Lebensschützer*innen, Thilo Sarrazin, die AfD, die äußerst kontroversen GIDA-Bewegungen u.v.m. haben trotz einiger inhaltlicher Differenzen mindestens zwei gemeinsame Punkte. Zum einen verfügen weitestgehend alle Akteur*innen über eine nationalistische Haltung. Zum anderen ist Gender-Mainstreaming, „Genderismus“, die „virulente Homolobby“ und überhaupt alles, was nicht eindeutig Mann oder Frau ist und sich heterosexuell in der Ehe vereinigt, abzulehnen, zu „heilen“ oder in irgendeiner Form rechtlich und politisch einzuschränken.

Mit Argumenten wie „Frühsexualisierung“, „Legalisierung der Pädophilie“, „Sex in jedem Fach“ und „Porno in der Grundschule“ warnte die Initiative „Besorgte Eltern“ auf vielen Demonstrationen vor Sexualaufklärung im Allgemeinen sowie vor Bildungsinhalten zum Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Speziellen. Den Legida-Positionen ist zu entnehmen, dass sie sich nicht für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt einsetzen, sondern im Gegenteil eher das klassische, heteronormative Familienbild mit seiner traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zementieren wollen.

Dieser versuchte, konservative Rechtsruck in der Gesellschaft hat den Christopher Street Day in Leipzig in diesem Jahr dazu veranlasst, viele Veranstaltungen zum Schwerpunktthema Bildungsarbeit in die Veranstaltungswoche vom 10.07. bis 18.07.2015 aufzunehmen. Ziel ist es, damit den Unsicherheiten und Ressentiments etwas inhaltliches entgegenzusetzen. So hat z.B. das Referat für Gleichstellung der Stadt Leipzig bereits eine Podiumsdiskussion angekündigt.

Als weitere Themen wurden „Sexualität im Alter“ und „Diskriminierung in LSBTI*-Kontexten“ in die Schwerpunktsetzung der Veranstaltungswoche aufgenommen.

Alterssexualität ist an sich ein Aspekt, der gesellschaftlich häufig tabuisiert ist. Oft wird den Menschen abgesprochen im hohen Alter über die eigene Sexualität zu verfügen. Besonders deutlich wird dies in Pflegeeinrichtungen, die nur selten auf die entsprechenden Bedürfnisse der Bewohner*innen eingehen können. Wie ist die Situation für trans*-, inter*geschlechtliche und bisexuelle, schwule oder lesbische Personen in Pflegeheimen? Dies ist nur eine Frage von vielen, mit welchen wir uns im Rahmen dieses Themas in der Veranstaltungswoche auseinandersetzen wollen.

Nicht weniger wichtig ist die Beschäftigung mit den „eigenen“ Ausgrenzungsmechanismen. Gerade bei sexueller und geschlechtlicher Vielfalt entstehen schnell Kategorien wie „Wir“ und „die Anderen“. Es gibt durchaus viele positive Aspekte von Aus-und Einschlüssen wie das Formulieren politischer Forderungen oder das eigene Empowerment durch eine Gruppe, um Diskriminierungen entgegenzuwirken.

Problematisch ist dabei allerdings, dass die Idee eines Kollektivsubjektes („Wir Schwule“, „Wir Homosexuelle“) dazu führt, Strukturen, die innerhalb dieser Gruppen herrschen, nicht (mehr) wahrzunehmen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass rassistische Diskurse („Muslime sind homophober als andere“) in einer vermeintlich offenen LSBTI*-Gemeinschaft salonfähig werden. Dem wollen wir mit aufklärenden Veranstaltungen entgegenwirken.

Freuen wir uns alle auf eine spannende Programmwoche vom 10. – 18. Juli 2015!

Aktuelle Informationen auch auf:  www.facebook.com/CSDLeipzig