Gemeinsame Stellungnahme

11.05.2018

Gemeinsame Stellungnahme des CSD Leipzig und des emanzipatorischen Blocks auf dem CSD

Seit dem 14.02.2018 gab es im Plenum des CSD Leipzig längere Auseinandersetzungen über die Frage: Wie soll mit rechten und rechtsextremen Personen und Gruppierungen umgegangen werden? Anlass war die Teilnahme einer Person, die sich im offenen Plenum als AfD-Wähler*in bekannte und die Partei verteidigte. Der Emanzipatorische Block stellte daraufhin Forderungen an das Plenum, wie den konsequenten Ausschluss solcher Personen und Personengruppen vom CSD. Die Annahme dieser Forderungen war Bedingung für seine weitere Teilnahme. Beim nächsten Plenum wurden die Forderungen zur Diskussion gestellt. Dabei ließen sich grob zwei Positionen ausmachen, die sich so oder so ähnlich in den verschiedensten Debatten um den Umgang mit erstarkenden rechten und rechtspopulistischen Bewegungen finden lassen:

    1. Den konsequenten Ausschluss, um diesen Bewegungen keinen Raum zu bieten und einen Schutzraum für queere* Menschen zu schaffen, oder 
    2. zu versuchen, sich mit diesen Bewegungen argumentativ auseinanderzusetzen.

Nach gut 1 ½ Stunden Diskussion lehnte eine knappe Mehrheit die Forderung nach einem Ausschluss ab. Daraufhin verließen die Delegierte des Emanzipatorischen Blocks und eine weitere Person das Plenum. Vom restlichen CSD-Team wurde danach beschlossen, einen Mittelweg zu finden. So sollte ein Bekenntnis gegen Rechts formuliert werden, welches von allen Teilnehmenden getragen wird.

Als Reaktion auf dieses Plenum veröffentlichte der Emanzipatorische Block einen offenen Brief, um auf die Problematik und Diskussionen aufmerksam zu machen und seine Sicht auf das Geschehene darzulegen. Die bei einigen Personen/Organisationen daraus abgeleitete Annahme, der CSD Leipzig würde mit AfD-nahen Personen kooperieren oder von diesen aktiv mit organisiert werden, war nicht beabsichtigt. Stattdessen sollte einem wichtigen Diskurs in unserer Gesellschaft und im CSD-Team eine Öffentlichkeit gegeben werden. Zwei Wochen später wurde die Debatte fortgesetzt und der Bekenntnisentwurf gegen Rechts des CSD Leipzig diskutiert. Daraus wurde eine gemeinsame Unvereinbarkeitserklärung entwickelt und einstimmig beschlossen. Außerdem wurde den schon bestehenden Forderungen des CSD Leipzigs noch eine weitere hinzugefügt, die rechte und rechtspopulistische Akteure klar benennt und kritisiert. 

Wer die Forderungen und die Unvereinbarkeitserklärung nicht aktiv unterstützt wird vom Plenum, dem Straßenfest und der Demo ausgeschlossen. Das gesamte Team des CSD Leipzig steht klar gegen jede Form von Diskriminierung und braune Hetze.

 

IDAHIT* 2018

Rund um den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans*-Feindlichkeit (IDAHIT*) am 17.Mai will der IDAHIT* Leipzig auch dieses Jahr die Leipziger*innen darauf aufmerksam machen, dass ein aktives Engagement gegen die Ungleichbehandlung und für die Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*- und Inter-Personen, asexuellen und queeren Menschen (LSBTIAQ*) nach wie vor notwendig ist. Folgende Veranstaltungen wird es geben:

Vortrag & Diskussion: Respect the B!

Di, 15.05.18, 19 Uhr, RosaLinde Leipzig e.V., Lange Str. 11

LSBTIAQ* – das B steht für Bisexualität und das ist unser Thema. Bisexualität wird oft mitgemeint, fast schon mitgeschleift, aber selten mitgedacht. Ist Bisexualität nicht irgendwie doch sowas ähnliches wie Homosexualität oder vielleicht eine Vorstufe dazu? Sind wir nicht alle ein bisschen Bi? Ich meine, ein bisschen Bi schadet nie – oder? Aber das meint nur Frauen*, denn bei Männern* wäre das schwul. Wir sagen Nein zu solchen Aussagen – aber wir wollen vor allem diskutieren, warum. In dem Vortrag nehmen wir uns mit euch Zeit, ausschließlich über Bisexualität zu sprechen.

Vortragende sind Anne Fekete, Dipl. Soz.päd., Student*in Angewandte Sexualwissenschaft, und Levke Ratz, B.A. Kulturwissenschaften, Betzavta Trainer*in.

Film & Diskussion: „Pride“

Mi, 16.05.18, 19 Uhr, Cinémathèque in der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 46

Auf diese Art der Unterstützung hätten die streikenden Minenarbeiter in Großbritannien 1984 eigentlich lieber verzichtet, doch seine Verbündeten kann man sich nicht immer aussuchen. Da die Schwulen- und Lesbenszene ebenso unter der reaktionären Politik Margaret Thatchers und der polizeilichen Willkür zu leiden hat, beschließt eine Londoner Aktivistengruppe, sich mit den Arbeitern zu solidarisieren und Spenden zu sammeln. Als sie das Geld schließlich persönlich in einem verschlafenen walisischen Dorf überbringen, prallen zwei Welten aufeinander: Bronsky Beat trifft Gaelic Folk! Nicht alle Streikenden freuen sich über die Unterstützung. Doch die Gegensätze sind nicht so unüberbrückbar, wie es zunächst scheint – und schon bald stellt sich echtes Disco- Feeling bei den hüftsteifen Waliser*innen ein. Es ist der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft mit bis heute historischen Folgen…

Im Anschluss diskutieren wir mit Prof. Robert Ehrlich und Kuku Schrapnell.

Prof. Robert Ehrlich ist Rektor der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und ehemaliger Rektor der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Geboren 1965 in Belfast, in den 80er Jahren in London politisch aktiv gegen die Repressalien der Thatcher- Zeit steht er nach dem Film als Zeitzeuge für Fragen zur Verfügung.

Kuku Schrapnell ist Langzeitstudentin und Bewegungstunte. Zwischen Seminaren und Make-Up- Meetings bleibt aber noch genug Platz für politisches Engagement. Vom Emanzipatorischen Block des CSD bis zur Weltrevolution, ihre Finger hinterlassen überall bunte Spuren – ihr Engagement ist ihr wichtiger, als den Nagellack austrocknen zu lassen.

Demonstration

Do, 17.05.18, 16 Uhr, Start: Alexis-Schumann-Platz, Ziel: Markt

Auch in diesem Jahr demonstrieren wir zum IDAHIT*, um unseren politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen. Anlass dieses Tages ist der 17.05.1990, als die Weltgesundheitsorganisation beschloss, Homosexualität aus ihrem Krankheitskatalog zu streichen. Seitdem hat sich viel gebessert, doch wir sind noch weit entfernt von einer vollkommenen Gleichstellung von LSBTIAQ*. Themen wie die anhaltende Diskriminierung durch das Amtsgericht Leipzig, die prekäre Situation queerer Geflüchteter und der rechtskonservative Backlash erfordern weiterhin, sich lautstark Gehör zu verschaffen. Kommt mit uns auf die Straße und lasst uns ein Zeichen setzen!

Die Redebeiträge der Veranstaltung werden in Gebärdensprache gedolmetscht. Partei- und Nationalflaggen sind auf der Demo nicht erwünscht.

Der IDAHIT* ist ein Projekt des RosaLinde Leipzig e.V mit finanzieller Unterstützung des Referats für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des Studierendenrates der Universität Leipzig.


CSD-Schwerpunkt 2018

20.04.2018

Gegen Rassismus, Sexismus, Homo-, Trans*- und Interfeindlichkeit

Seit einigen Jahren erstarken rechtskonservative, nationale, antidemokratische und minderheitenfeindliche Parteien und Bewegungen wieder in unserem Land. Dies insbesondere in Sachsen und den übrigen „neuen“ Bundesländern. Sie stehen dabei für eine Welt längst vergangener Zeiten, welche klar und „klassisch“ geregelt ist. Frauen erziehen die Kinder, gehören an den Herd und Männer verdienen das Geld. Eine Wiedererrichtung der Männerherrschaft. In dieser Welt ist alles fremd, was nicht weiß und hetero ist. Manche träumen von einem rein weißen Europa und von einem christlichen Abendland, welches gegen das Eindringen von Fremden verteidigt werden müsse; andere wollen Minderheiten zählen lassen oder gar einsperren.

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im vergangenen Jahr traf diese rückwärtsgerichtete Bewegung bis ins Mark und beflügelte den Hass auf Lebens- und Liebenswirklichkeiten und Geschlechtlichkeiten jenseits der sogenannten „Norm“. 

Im Alltag werden queere* Menschen wieder häufiger für ihre Identität oder Orientierung angegriffen und ausgegrenzt. Im ersten Halbjahr 2017 gab es fast 30% mehr Straftaten gegen queere* Menschen in Deutschland als im Vorjahreszeitraum (Quelle: Bundestagsdrucksache 18/13255). Aber auch weltweit ist eine Abkehr von liberalen Entwicklungen zu verzeichnen – so schaffte z.B. die Regierung der Bermudainseln die bereits geöffnete Ehe im Februar dieses Jahres wieder ab. In manchen Ländern werden queere* Bewegungen verboten und Aktivist*innen, wie zuletzt in der Türkei, inhaftiert. In acht Staaten droht Menschen für gleich-geschlechtliche Sexualität sogar die Todesstrafe.

Es ist also falsch zu sagen, dass Christopher Street Days (CSDs), Pride Veranstaltungen oder generell queere* Demonstrationen heutzutage nicht mehr nötig sind. Es geht darum weiter für Freiheit und Recht einzustehen, Erkämpftes zu erhalten und zu festigen. Es gilt sich für Vielfalt einzusetzen und sich auch gegenüber queeren* Menschen in anderen Ländern solidarisch zu zeigen.

Der Christopher Street Day Leipzig steht seit langem für mehr als nur das Recht von Lesben und Schwulen gleichgeschlechtlich heiraten zu dürfen. Keine Frage – Die Öffnung der Ehe ist eine wichtige Errungenschaft der 30-Jährigen Bewegung, welche ihre Anfänge in dem Aufstand queerer* Menschen, insbesondere und oftmals vergessen von Trans*frauen of Color, in New York nahm.

Doch es gibt noch viel mehr zu erreichen. Zum Beispiel die Reform des diskriminierenden Transsexuellengesetzes (TSG), ein Verbot ungewollter medizinischer Eingriffe an intergeschlechtlichen Menschen, die Änderung der gängigen Entscheidungspraxis im Asylverfahren von queeren* Personen, eine queere*-inklusive Medizin, die Beachtung queerer* Bedürfnisse in der Pflege und vieles mehr!

Mit der CSD-Woche vom 13.07. – 21.07.2018 möchten wir zeigen, dass wir in Sachsen, dem Bundesland mit den höchsten AfD-Bundestagswahlergebnissen und dem Ursprung der *GIDABewegung, solche Diskriminierung in der Politik und breiten Masse nicht hinnehmen wollen. Daher möchten wir die Menschen für Diversität sensibilisieren, damit sie erkennen, dass Vielfalt eine Bereicherung unserer Gesellschaft ist und nicht gefürchtet werden muss.

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Unvereinbarkeitserklärung

 

23.03.2018

Unvereinbarkeitserklärung des Leipziger CSD

  1. Der Leipziger CSD, die teilnehmenden Personen, Vereine, Parteien und Initiativen / Projekte bekennen sich zu den im Forderungskatalog veröffentlichten Grundwerten. Der CSD Leipzig steht insbesondere für eine offene / freie Gesellschaft, die Verteidigung der Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Respekt, sowie das Recht auf körperliche, psychische und verbale Unversehrtheit.
  2. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Klassismus, Homo-, Trans*- und Inter-feindlichkeit, nationalistische, antisemitische, anti-demokratische, anti-emanzipatorische Ideologien, Feindlichkeit gegenüber behindert werdenden Menschen, rechte Hetze und weiteren Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeiten haben beim Leipziger CSD keinen Platz.
  3. Die Teilnahme am CSD, dessen Veranstaltungen sowie dem CSD-Plenum, ist unvereinbar für Person, Gruppen und Parteien, welche den unter Punkt 1 genannten Forderungen inhaltlich entgegenstehen oder die die unter Punkt 2 genannten Formen der Ausgrenzung in Ihrer Programmatik und Veröffentlichungen tolerieren. Dies gilt grundsätzlich für Parteien, Mitglieder und Anhänger*innen rechtspopulistischer / rechtsextremer Parteien / Gruppierungen. Deren Inhalte und Weltanschauungen, gestützt / untermalt durch Äußerungen und Handlungen der jeweiligen Mitglieder, stehen Haltung, Forderungen und Selbstverständnis des CSD Leipzig diametral entgegen und sind mit diesen unvereinbar. Deshalb kann und wird es mit deren Vertreter*innen keine Zusammenarbeit und Austausch geben.
  4. 49 Jahre nach den „Stonewall-Aufständen“ in der Christopher Street liegt es in unserer Verantwortung, die seitdem erkämpften Errungenschaften und Fortschritte zu verteidigen und die Aktivist*innen dieses Kampfes nicht erneut Opfer eines anti-emazipatorischen, autoritären Roll-Backs werden zu lassen.
  5. Diese Unvereinbarkeitserklärung ist daher gekoppelt mit dem Forderungskatalog von allen zu unterstützen, die am CSD Leipzig mitwirken möchten.

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Bild: mimski Fotografie

Macht doch jeder: Einmal im Jahr zum HIV-Check!

Macht doch jeder: Einmal im Jahr zum HIV-Check!

„Du bist ein wilder Stecher, lässt sich aber nicht gern piksen?“ – Mit doppeldeutigen und teils provokanten Fragen trägt ICH WEISS WAS ICH TU in diesem CSD-Sommer eine wichtige Botschaft in die Szene: Einmal im Jahr zum HIV-Check! Motto der Aktionskampagne: „Macht doch jeder!“ Der HIV-Test soll damit zur Selbstverständlichkeit werden. Ein Highlight dabei: Im Rahmen der Aktionswochen werden an vielen Orten kostenlose Tests angeboten.

Denn fast zwei Drittel der schwulen und bisexuellen Männer in Deutschland haben kein aktuelles HIV-Testergebnis. Dabei gilt: Ein HIV-Check ist immer eine gute Idee. Ein negatives Ergebnis sorgt für Erleichterung, ein positives eröffnet die Möglichkeit, sich behandeln zu lassen, und ein fast „normales“ Leben zu führen. Wer behandelt wird, kann HIV außerdem nicht weitergeben. Auf www.macht-doch-jeder.de gibt’s weitere Infos und eine Servicekarte mit Checkpoints.