CSD-Botschafter*innen 2017

Die Botschafter*innen des CSD Leipzig 2017 sind die Queer Refugees for Pride!

So beschreiben sie sich selbst:

— deutsche Übersetzung unten — 

„Queer Refugees for Pride” is a self-organized society which was launched by asylum seekers/refugees in 2016.
Lesbians, gays, bisexuals, transgender, queer and intersex (LGBT*QI) people are one the most persecuted individuals in the world today. In many countries LGBT*QI people regularly face harassment, arrest, persecution, interrogation, torture and beatings.

These human rights violations propel thousands to flee from their countries. Now without focused attention and assistance from the international humanitarian community, these refugees still being deprived of basic safety or protection. The lucky ones who managed to escape successfully often find that conditions in their countries of transit are not much better than in those they fled from. Most refugees who try to find asylum in Europe are moving to Germany or other West European countries.

LGBT*QI people are often targeted for violence by authorities or civilians whom the authorities cannot or do not want to stop. In some places, the situation is so difficult that refugees fear going outside during the day.

Queer Refugees for Pride supports and advocates to refugees who are seeking protection of persecution based on sexual orientation, gender identity, or HIV status. We are engaging in outreach, advocacy and public education on LGBT*QI refugee issues.

The initiative works resolutely to break down systemic barriers to their (ours) safety and shelter. As a trusted leader of LGBT*QI asylum seekers/refugees and their advocates, Queer Refugees for Pride does preparatory work for changes by researching the problems and aiming to transform its expertise into essential advocacy.

Another aim is to create the network of all of the organizations in Germany which work with or for LGBT*QI asylum seekers/refugees problems.

Our truly mission is

  • Participation in public demonstrations like Cristopher Street Days in all over Germany to promote the visibility;
  • Empowering of LGBT*QI asylum seekers/refugees to become a visible and motivate them to self-organize;
  • To promote and protect the right of asylum seekers/refugees regardless of their sexual orientation or gender identity;
  • To stand against all forms of violence, discrimination and human rights violations against lesbian, gay, bisexual, transgender*, queer and intersex asylum seekers/refugees;
  • To promote the visibility and full participation in social and civil life of lesbian, gay, bisexual, transgender, queer and intersex people;
  • To propose cultural and social policies and create debates around LGBT*QI asylum seekers/refugee problems;
  • To eliminate LGBT*QI asylum seekers/refugee issues as part of mainstream human rights discourse;
  • To do research of situations in LGBT*QI asylum seekers/refugees lifes;
  • To generate outreach, advocacy and public advocacy on LGBT*QI asylum seekers/refugee issues;

More information: http://www.refugee-pride.org/

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„„Queer Refugees for Pride“ ist eine selbstorganisierte Gemeinschaft, welche von Asylsuchenden/Geflüchteten 2016 gegründet wurde.

Lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, queere und intersexe Menschen (LSBTQI*) gehören zu den meistverfolgten Individuen der heutigen Welt. In vielen Ländern sehen sich LSBTQI* Menschen Hass, Verfolgung, Verhören, Gefangenschaft, Folter und Gewalt ausgesetzt.

Diese Menschenrechtsverletzungen zwingen tausende Menschen zur Flucht aus deren Ländern. Ohne konzentrierte Aufmerksamkeit und Hilfe von internationalen humanitären Organisationen, sind diese Geflüchteten weiterhin grundlegender Sicherheit und Schutz beraubt. Die wenigen Glücklichen, die es schaffen zu entfliehen, stellen oft fest, dass die Umstände in den Transitländern nicht wesentlich besser sind als die in dem Land aus welchem sie geflohen sind. Die meisten Menschen, die nach Europa flüchten bewegen sich nach Deutschland oder andere Länder in Westeuropa.

LSBTQI* Menschen sind oft Ziel von behördlicher Gewalt oder ziviler Gewalt durch Menschen, die von den Behörden nicht gestoppt werden können oder welche die Behörden nicht stoppen wollen. An manchen Orten ist die Situation so gravierend, dass sich die Geflüchteten nicht trauen tagsüber das Haus zu verlassen.

Queer Refugees for Pride unterstützt und vertritt Menschen, die Asylschutz vor Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität oder ihres HIV-Status suchen. Wir engagieren uns in Fragen der Reichweite/Sichtbarkeit, Vertretung und öffentlichen Bildung zu LSBTQI* Themen.

Die Initiative arbeitet entschlossen daran systembedingte Barrieren, die deren (unserer) Sicherheit und deren (unserem) Schutz entgegenstehen, zu durchbrechen. Als vertrauenswürdigen Vertretern von LSTBIQ* Asylsuchenden/Geflüchteten und als deren Berater, legen die Queer Refugees for Pride die Fundamente für Veränderung, indem sie Probleme untersuchen und versuchen ihre immense Expertise in essentielle Beratung einzubringen.

Ein weiteres Ziel ist es, ein Netzwerk aller Organisationen in Deutschland zu realisieren, die sich für LSBTQI* Geflüchtete und deren Probleme/Themen einsetzen und mit ihnen arbeiten.

Unsere Mission ist:

  • Teilnahme an öffentlichen Demonstrationen wie Christopher Street Days in ganz Deutschland, um die Sichtbarkeit zu erhöhen
  • Bestärkung von LSBTQI* Asylsuchenden/Geflüchteten darin sichtbarer zu werden und sie zur Selbstorganisation zu motivieren
  • Die Rechte von Asylsuchenden/Geflüchteten bekannt zu machen und zu schützen, egal welche sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sie haben.
  • Gegen jede Form der Gewalt, Diskriminierung und Menschenrechtsverletzung gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender*, queeren und intersexen Asylsuchenden/Geflüchteten zu stehen.
  • Die Sichtbarkeit und volle Partizipation im sozialen und zivilen Leben von lesbischen, bisexuellen, transgender*, queeren und intersexen Menschen zu unterstützen.
  • Die Probleme von LSBTQI* Asylsuchenden/Geflüchteten als Teil des Mainstream Menschenrechtsdiskurses zu beseitigen.
  • Die Situation von LSBTIQ* Asylsuchenden/Geflüchteten zu untersuchen.
  • Reichweite, Vertretung und öffentliche Vertretung von LSBTQI* Asylsuchenden/Geflüchteten“

Weitere Informationen: http://www.refugee-pride.org/

Themenschwerpunkt 2017 – Stop Hate!

Stop hate!

Hass ist ein komplexes Gebilde. Er verweist auf gesellschaftliche Zustände und besitzt viele Facetten – innerhalb der Gesellschaft bis hin zur einzelnen Person. Seit Menschen gedenken lautet seine Maxime: Hass tötet! Hier, dort und überall! Und das seit jeher!

Derzeit beobachtet man mit Schrecken eine Radikalisierung in der Gesellschaft. Ein konservativer Rechtsruck ist in Sachsen, Deutschland, Europa und sogar weltweit spürbar. Dabei ist eine Angst dieser rechten Bewegungen die „Verschwulung der Welt“. Die „Genderisierung“ und die „Genderideologie“ der „Homo-Lobby“ bilden die Schlagwörter, die in Hassreden stets gesellschaftsfähiger werden. Diese Ängste sind eindeutig als gezielt falsche Überzeichnungen zu benennen und abzulehnen.

Jene konservativen Bewegungen sind breit aufgestellt. In ihnen versammeln sich von vermeintlich besorgten Bürger*innen, über christlichen Fundamentalist*innen bis hin zu Mitgliedern von rassistischen und sexistischen Parteien, wie der Alternative für Deutschland (AfD) und Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD), sowie eine Vielzahl von Personen, die sich gegen eine Gleichberechtigung aller in der Gesellschaft stellen. Deutlich wird dies unter anderem an Hassreden im Internet, der zunehmenden Zahl rassistischer und homophober Übergriffen, Vergewaltigungsbefürwortern alias “Pick-Up-Artists”, Äußerungen der AfD und NPD sowie deren Forderung, Gleichstellungsbeauftragte in Unternehmen und öffentlichen Institutionen abzuschaffen.

Hass und dessen Auswirkungen auf gesellschaftliche Zustände ist das Schwerpunktthema des Leipziger Christopher Street Days 2017. Dabei wollen wir an die Stonewall-Emanzipationskämpfe in New York City im Jahr 1969 erinnern, bei denen Gays, Queers, Trans und Drag Queens of Colour gemeinsam gegen staatliche Willkür Widerstand leisteten und für die Gleichberechtigung demonstrierten. Hier zeigt sich, dass Hass nicht nur in Menschen wirkt, sondern auch in Strukturen und in Staatlichkeit. Wir wollen uns explizit gegen Feindlichkeit oder gar Hass gegenüber Menschengruppen aussprechen, die aus der „gesellschaftlichen Norm“ fallen und somit als „anders“ bezeichnet werden. Gleichzeitig möchten wir diesen Hass öffentlich anprangern.

Unser Blick richtet sich hierbei nicht nur auf die konservative Rückwärtsbewegung in der Gesellschaft, sondern auch auf uns selbst und Anfeindungen innerhalb unserer Community. Denn selbst eine persönliche Identifikation als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, transident, intersexuell, queer oder asexuell und somit als Teil der LSBTTIQA*-Community schützt nicht vor negativen Äußerungen untereinander. Auch innerhalb der Szene kommt es zu Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Abneigung gegen nicht der Norm entsprechende Schönheitsideale, körperliche und geistige Beeinträchtigungen oder unkonventionelle Lebensweisen. Doch trotz aller Unterschiedlichkeit gibt es eine verbindende Gemeinsamkeit: das Erleben von Anfeindungen und Diskriminierung bis hin zu Ausgrenzung und Gewalt – nur, weil wir vermeintlich anders sind.

Auch wenn Emanzipationsbewegungen in der Vergangenheit bereits große Schritte in Richtung Gleichstellung erreicht haben, ist das kein Grund einfach stehen zu bleiben. Besonders im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen machen es diese sogar nach wie vor notwendig, aktiv für Gleichberechtigung zu kämpfen. Dabei geht es nicht um das „Aufzwingen“ alternativer Lebensweisen und Identitäten, sondern um das Recht aller – unabhängig von Geschlecht, Körperlichkeit, Beeinträchtigungen, Identität, Begehren, Ethnizität, soziale Herkunft oder Religion – verschieden sein zu können.

Der Leipziger CSD 2017 steht dabei für ein solidarisches Füreinander und gegen ein ablehnendes Gegeneinander. Denn alle Menschen in all ihren Facetten haben ein Recht auf ein glückliches Leben ohne Gewalt und Hass!

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Offener Brief des Tiam e.V. und RosaLinde Leipzig e.V.

Der Tiam e.V. und RosaLinde Leipzig e.V. haben heute einen offenen Brief an die sächsische Staatsregierung veröffentlich, in welchem sie die Hürden kritisieren, die das Amtsgericht Leipzig TransPersonen, die ihren Vornamen und Personenstand ändern lassen möchten, in den Weg legt.
So werden mittlerweile statt 2, gleich 3 Gutachten Sachverständiger verlangt. Was die ohnehin schon hohen Kosten dieses Verfahrens noch weiter in die Höhe treibt:

„Tief betroffen nehmen wir, Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e.V. (TIAM e.V.) und RosaLinde Leipzig e.V., die derzeitigen Abläufe in den Verfahren nach dem „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen“ (zumeist: Transsexuellengesetz – kurz: TSG) am Amtsgericht Leipzig zur Kenntnis.

Nach deutschem Recht haben Personen auf dieser Basis die Möglichkeit, ihren Vornamen und ihren Personenstand (von männlich auf weiblich oder umgekehrt) ändern zu lassen. Hierfür sieht das TSG in §4 Abs. 3 die Regelung vor, dass das zuständige Amtsgericht von zwei Sachverständigen einholt. Am Amtsgericht Leipzig wird jedoch aktuell die Praxis verfolgt von Anbeginn des Verfahrens drei statt zwei Gutachten zu beauftragen. Dies stellt eine zusätzliche und unbegründete Hürde für die betroffenen transgeschlechtlichen Menschen dar, da diese sich nicht nur einer weiteren, fremdbestimmten Beurteilung unterziehen müssen, sondern die Kosten für die Gutachten nach dem TSG in der Regel von den Antragstellern zu tragen sind. Zumeist belaufen sich diese Kosten für ein Gutachten zwischen 400.00 – 800.00 EUR. Die vom Amtsgericht Leipzig beauftragte dritte Gutachterin erhebt jedoch Kosten für ihre Begutachtung in Höhe von 2000.00 EUR. Eine solche finanzielle Mehrbelastung, ohne ersichtlichen juristischen Grund, ist nicht tragbar und schränkt die Antragsteller_innen in ihrer sozialen und persönlichen Handlungsfreiheit ein.

Überdies ist festzustellen, dass die betreffende Gutachterin (Frau D. aus Leipzig) nicht über die im TSG §4 Abs. 3 geforderten Qualifikationen verfügt, um in diesem Rahmen Begutachtungen durchführen zu können. Wenn sich Betroffene wehren und besagtes Gutachten ablehnen, wird ihnen das Zurück- ziehen des Antrages angeraten bzw. wird die Ablehnung des begehrten Antrages in Aussicht gestellt.

Zitat einer Frau:
»Der zuständige Richter hat dafür drei Gutachter bestellt. Als Antwort auf meine Nachfrage, ob das tatsächlich so in Ordnung ist, hat er mir den Kostenvoranschlag der dritten Gutachterin, Frau D. geschickt: 1.700€ plus MwSt. Und er hat explizit auf Frau D. als Sachverständige bestanden. Ich habe daraufhin die Entpflichtung von Frau D. beantragt. Jetzt droht der Richter, meinen Antrag abzulehnen, wenn ich mich nicht dem dritten Gutachten unterziehe. Und er hat die Arbeit aller Gutachter gestoppt. Die beiden anderen Gutachtertermine hatte ich bereits. Nach Angaben der Sachverständigen werden beide Gutachten positiv ausfallen.«

Ein zweites Schreiben hatte uns einige Tage zuvor erreicht und auch daraus möchten wir einen Absatz zitieren, um deutlich zu machen, mit welchen Mitteln das Amtsgericht Leipzig derzeit mit transgeschlechtlichen Menschen verfährt.

Zitat eines Mannes:
»Ich habe den Antrag Anfang Oktober beim AG Leipzig eingereicht. Am 29.11. habe ich den Beschluss erhalten, in dem der Richter fordert, dass ich drei (3) Gutachten einreiche und er hat dafür drei Sachverständige benannt. […] Ich habe einen Widerspruch gegen die Einforderung von drei Gutachten eingereicht, den ich am 2. Dezember persönlich beim Amtsgericht Leipzig abgegeben habe. Er wurde dort am Empfang abgestempelt, aber ich habe mir leider keine Empfangsbestätigung aushändigen lassen. Da ich bisher keine Reaktion erhalten habe, habe ich am 15. Dezember den Widerspruch noch einmal per Einschreiben mit Rückschein ans Amtsgericht geschickt. Ich denke noch nach, aber es wird mit großer Wahrscheinlichkeit darauf hinauslaufen, dass ich meinen Antrag zurückziehe, da ich mir das dritte Gutachten nicht leisten kann. Die zweitausend Euro habe ich einfach nicht mehr zur Verfügung. Mein Plan war zwar, die VÄ/PÄ [Vornamensänderung/Per- sonenstandsänderung] in Leipzig abzuschließen und mich dann erst jobmäßig und umzugsmäßig zu bewegen, aber in der derzeitigen Situation kann ich auch in einen anderen Ort außerhalb Sachsens ziehen und dort die VÄ/PÄ machen.«

In der Zwischenzeit hat uns besagte Person mitgeteilt, dass sie ihren Antrag aus besagten Gründen zurückzieht. In der Zeit von Dezember 2016 bis jetzt liegen uns bereits vier Beschwerden bzw. Anfragen mit gleichen Inhalten zu der Vorgehensweise des Amtsgericht Leipzig vor.

Wir sind aufs tiefste besorgt, dass den aktuell verantwortlichen Richter_innen nicht gelingt, sich auf der Basis seit Jahrzehnten bestehender und bundesweit bewährter Rechtsgrundlagen ein eingehen- des Bild von dem transgeschlechtlichen Werdegang im Sinne des TSG zu bilden.

Weiterhin halten wir es für bedenklich, wenn die uns benannte Person, Frau D. aus Leipzig, über transgeschlechtliche Menschen urteilt, obwohl diese nicht die im Gesetz verankerten Qualifikationen vorweisen kann und überdies ein deutlich überhöhtes Honorar verlangt. Damit erhöhen sich die Kosten für ein neues Personaldokument im Landgerichtsbezirk Leipzig auf ca. 3.500,00 bis 4.000,00 EUR (inkl. Kosten der anderen Gutachter, Gerichtskosten, Nebenkosten usw.).

Unsererseits erweckt dies den Eindruck, dass hier Ämter genutzt werden, um aus konservativer Sicht zusätzliche Hürden für transgeschlechtliche Menschen aufzubauen und zugleich in willkürlicher Art eine einzelne Person zu protegieren.

Wir fordern, dass sich die sächsische Staatsregierung dafür einsetzt, dass transgeschlechtliche Menschen mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit ihre Handlungsmöglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben zurück erlangen können.
Weiterhin fordern wir die sächsische Staatsregierung auf, die uns benannten und hier beschriebenen Fälle aufzuarbeiten und dafür Sorge zu tragen, dass keine unnötigen Hürden von Seiten der Staatsgewalten geschaffen werden.

Auf Bundesebene ist seit längerer Zeit einiges in Bewegung, um bürokratische Hürden einer solchen nicht-invasiven Veränderung des Geschlechts entgegenzuwirken. Andere Länder in der europäischen Union sind bereits noch deutlich weiter. So wurde im Januar 2017 in Dänemark Transsexualität gänzlich aus dem Katalog der psychischen Erkrankungen gestrichen und eine eigens dafür geschaffenen Diagnose eingerichtet, um die medizinische Behandlung zu gewährleisten. Am Amtsgericht Leipzig scheinen sich hingegen die konservativen Kräfte noch einmal gegen diese allgemeine Entwicklung – mit den letzten ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln – aufzubäumen.

Dies ist beschämend für eine weltoffene Großstadt, wie Leipzig eine ist!“

http://www.trans-inter-aktiv.de 

http://www.rosalinde-leipzig.de

Hirschfeld-Tage 2016

Gestern wurden in Erfurt die Hirschfeld-Tage 2016 feierlich eröffnet.

Unter dem Motto „L(i)ebe die Vielfalt“ finden die Hirschfeld Tage von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2016 in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.

Mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot mit über 50 Veranstaltungen in Leipzig erinnern sie an den Sexualreformer und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung Dr. Magnus Hirschfeld und greifen zeitgeschichtliche sowie aktuelle Themen rund um Lebenswelten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ) auf. 

Für Leipzig ist der RosaLinde Leipzig e.V. Mitveranstalter. Alle Infos zu den Leipziger Veranstaltungen findet ihr auf der zugehörigen Facebook-Seite.

Allgemeine Infos zu den Hirschfeld-Tagen, sowie zur Bundesstiftung Magnus Hirschfeld:
http://mh-stiftung.de/

Statement zur Aktion rosa Kirche

Im Rahmen der Auswertung des CSD Leipzig und des erhaltenen Feedbacks wurden auch die symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche zum CSD-Straßenfest ausführlich besprochen.

2016-csd-markt-fotografie-freydank_01Wir freuen uns, dass so viele Menschen an der Aktion teilgenommen und sogar vor der rosa Kirche angestanden haben. Der große Zuspruch bestätigt, es gibt eine Sehnsucht, bedingungslos willkommen zu sein. Auch die vom CSD-Plenum zur Durchführung der symbolischen Trauungen angefragte Ute Elisabeth Gabelmann war von der Zahl und Vielfältigkeit der Menschen beeindruckt.

Allerdings gab es auch Kritik, die Aktion wäre eine reine Spaßaktion und würde insbesondere die christliche Religion diffamieren.
Dem möchten wir auch öffentlich noch einmal entschieden widersprechen.

Natürlich war die Aktion auch mit einem leichten Augenzwinkern verbunden – die Botschaft der symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche war für uns jedoch von Beginn an klar: Ein großer Teil der LGBTI* Community ist religiös. Wir wollten mit dieser Protestaktion ein generelles Statement setzen, dass in keiner Religion die Liebe ihrer gleichgeschlechtlichen Anhänger*innen so gleichwertig behandelt wird, wie die heteronormative Ehe. Das ist ein trauriger Fakt.
Deshalb haben wir den Aufruf zur rosa Kirche auch mit der Forderung kombiniert: Dass die Wertigkeit einer Ehe nicht von der Zusammenstellung ihrer Partner*innen abhängig sein sollte.
Dies kann man sowohl auf den LGBTI* Kontext beziehen, aber z.B. auch auf die Frage der Ehe geschiedener Menschen.
Der CSD hat nicht die Absicht Religionen zu diffamieren, auch nicht insbesondere die christliche, aber wir treten ihnen kritisch gegenüber und legen den Finger in die Wunde. Und das ist auch in Anbetracht der Geschichte der CSD-Bewegung wichtig.
Natürlich ist es so, dass durch eine aufblasbare rosa Kirche insbesondere das Christentum, in den Fokus gerückt wird. Die katholische und evangelische Kirche ist jedoch auch die maßgebliche in Deutschland und symbolisiert hier mit ihren Sakralbauten Religion im Allgemeinen.

Zu keiner Zeit stellten wir die Wertigkeit einer religiösen Ehe in Frage. Vielmehr verdeutlicht die Aktion, wie groß der Wunsch vieler Menschen nach einer gleichwertigen Anerkennung ihrer Liebe ist.

Letztendlich haben wir unser Ziel erreicht und einen Diskurs wieder angestoßen. Eine inhaltliche Debatte ist auf einem Straßenfest nicht zu leisten. Dafür gibt es die vorangestellte Veranstaltungswoche, in der wir es immerhin geschafft haben, dass beim Podiumsgespräch im Neuen Rathaus zwei Weltreligionen, Judentum und Islam, ins Gespräch gekommen sind.

Abschließend möchten wir alle religiösen LGBTI* dazu ermutigen Diskriminierungen in ihrer Religionsgemeinschaft nicht stumm hinzunehmen. Ergreift das Wort, sprecht mit den Vertreter*innen der Religionen, stellt althergebrachte, vielleicht konservative Auffassungen und Auslegungen in Frage. Es gibt Ansprechpartner*innen.
Taddiken grüner PulloverIn Leipzig ergänzt die evangelische Thomaspfarrerin Britta Taddiken ihre Botschaft: „Ihr braucht keine rosa Plastik -Kirchen, geht in die realen und redet mit uns.“
Sollte einem diese Bereitschaft jedoch konsequent verwehrt werden, hier möchten wir aus unserer Podiumsdiskussion den orthodoxen Rabbiner Zsolt Balla zitieren, „…muss jeder Mensch wissen, ob diese Religion dann die richtige für ihn/sie ist und nicht vielleicht doch eine andere, die der eigenen Lebenswirklichkeit entspricht“.

Danke!

Danke, dass Ihr gestern so zahlreich erschienen seid und so bunt, laut und vielfältig wart!
Danke an alle ehrenamtlichen Helfer*innen. Ohne Euch wäre dieser CSD nicht möglich gewesen!
Danke an unsere Künstler*innen!
Danke an all unsere Unterstützer*innen!

Das Team des CSD Leipzig 🙂

Regenbogenfahnen gehisst

Heute wurden in Leipzig gleich an zwei Orten Regenbogenfahnen gehisst.

Regenbogenfahne 2016 Uni LeipzigZum ersten mal in ihrer über 600jährigen Geschichte hat die Universität Leipzig eine Regenbogenfahne gehisst. Vielen Dank an das Rektorat, das Gleichstellungsbüro der UL und das Referat für Gleichstellung und Lebensweisen (RGL) des StuRa UL!

Vor dem Neuen Rathaus hat die Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig, Skadi Jennicke, gemeinsam mit dem US Generalkonsul Scott R. Riedmann, Abgeordneten des Europaparlaments, des Bundes- und des Landtages, sowie Stadtrat*innen und natürlich vielen weiteren Menschen die Regenbogenfahne gehisst. Anschließend gab es einen CSD-Empfang der Stadtratsfraktionen SPD, Bündnis’90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE. Hissen der Regenbogenfahne 2016