CSD-Leipzig gibt thematische Schwerpunkte bekannt

Die „Besorgten Eltern“, die sogenannten Lebensschützer*innen, Thilo Sarrazin, die AfD, die äußerst kontroversen GIDA-Bewegungen u.v.m. haben trotz einiger inhaltlicher Differenzen mindestens zwei gemeinsame Punkte. Zum einen verfügen weitestgehend alle Akteur*innen über eine nationalistische Haltung. Zum anderen ist Gender-Mainstreaming, „Genderismus“, die „virulente Homolobby“ und überhaupt alles, was nicht eindeutig Mann oder Frau ist und sich heterosexuell in der Ehe vereinigt, abzulehnen, zu „heilen“ oder in irgendeiner Form rechtlich und politisch einzuschränken.

Mit Argumenten wie „Frühsexualisierung“, „Legalisierung der Pädophilie“, „Sex in jedem Fach“ und „Porno in der Grundschule“ warnte die Initiative „Besorgte Eltern“ auf vielen Demonstrationen vor Sexualaufklärung im Allgemeinen sowie vor Bildungsinhalten zum Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Speziellen. Den Legida-Positionen ist zu entnehmen, dass sie sich nicht für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt einsetzen, sondern im Gegenteil eher das klassische, heteronormative Familienbild mit seiner traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zementieren wollen.

Dieser versuchte, konservative Rechtsruck in der Gesellschaft hat den Christopher Street Day in Leipzig in diesem Jahr dazu veranlasst, viele Veranstaltungen zum Schwerpunktthema Bildungsarbeit in die Veranstaltungswoche vom 10.07. bis 18.07.2015 aufzunehmen. Ziel ist es, damit den Unsicherheiten und Ressentiments etwas inhaltliches entgegenzusetzen. So hat z.B. das Referat für Gleichstellung der Stadt Leipzig bereits eine Podiumsdiskussion angekündigt.

Als weitere Themen wurden „Sexualität im Alter“ und „Diskriminierung in LSBTI*-Kontexten“ in die Schwerpunktsetzung der Veranstaltungswoche aufgenommen.

Alterssexualität ist an sich ein Aspekt, der gesellschaftlich häufig tabuisiert ist. Oft wird den Menschen abgesprochen im hohen Alter über die eigene Sexualität zu verfügen. Besonders deutlich wird dies in Pflegeeinrichtungen, die nur selten auf die entsprechenden Bedürfnisse der Bewohner*innen eingehen können. Wie ist die Situation für trans*-, inter*geschlechtliche und bisexuelle, schwule oder lesbische Personen in Pflegeheimen? Dies ist nur eine Frage von vielen, mit welchen wir uns im Rahmen dieses Themas in der Veranstaltungswoche auseinandersetzen wollen.

Nicht weniger wichtig ist die Beschäftigung mit den „eigenen“ Ausgrenzungsmechanismen. Gerade bei sexueller und geschlechtlicher Vielfalt entstehen schnell Kategorien wie „Wir“ und „die Anderen“. Es gibt durchaus viele positive Aspekte von Aus-und Einschlüssen wie das Formulieren politischer Forderungen oder das eigene Empowerment durch eine Gruppe, um Diskriminierungen entgegenzuwirken.

Problematisch ist dabei allerdings, dass die Idee eines Kollektivsubjektes („Wir Schwule“, „Wir Homosexuelle“) dazu führt, Strukturen, die innerhalb dieser Gruppen herrschen, nicht (mehr) wahrzunehmen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass rassistische Diskurse („Muslime sind homophober als andere“) in einer vermeintlich offenen LSBTI*-Gemeinschaft salonfähig werden. Dem wollen wir mit aufklärenden Veranstaltungen entgegenwirken.

Freuen wir uns alle auf eine spannende Programmwoche vom 10. – 18. Juli 2015!

Aktuelle Informationen auch auf:  www.facebook.com/CSDLeipzig 

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