Warum ein Preis?

Die Stonewall-Bewegung, in deren Tradition weltweit und auch in Leipzig seit Jahrzehnten queere Demonstrationen abgehalten werden, hätte es ohne mutige, engagierte Menschen nicht gegeben. Ebensowenig würde es ohne den tatkräftigen Einsatz von Organisationen und Einzelpersonen keine queeren Strukturen geben, wie wir sie heute auch in Leipzig haben. Leider wird dieses Engagement von unserer Gesellschaft viel zu selten wahrgenommen, geschweige denn ausgezeichnet. Daher wurden wir nun aktiv und haben mit dem CSD 2022 den „CSD Leipzig Preis für queeres Engagement“ ins Leben gerufen.

An wen wird der Preis vergeben?

Ausgezeichnet werden soll ein Engagement für queere Menschen und/oder für deren Rechte. Im Fokus stehen dabei natürliche Personen und Organisationen mit Wirkungskreis in Leipzig und Umgebung. Im Fall von natürlichen Personen kann dies sowohl ein ehrenamtliches als auch ein hauptamtliches Engagement sein. Im ersten Jahr wurde der Preis sowohl an eine natürliche Person als auch an eine Organisation verliehen. In den Folgejahren wird er dann jährlich abwechselnd an eine natürliche Person oder an eine Organisation verliehen.

Wie werden die Preisträger*innen ausgewählt?

Der Preis wird vom Organisationsteam des CSD Leipzig verliehen. Die Beteiligung der queeren Community bei der Auswahl möglicher Kandidat*innen ist uns sehr wichtig. Daher gibt es ab 2023 jedes Jahr die Möglichkeit, dass die Community Personen oder Organisationen für den Preis vorgeschlägt. Den Zeitraum hierfür werden wir jeweils über unsere Website und Social Media Kanäle bekanntgeben.

Im Anschluss wertet ein vom Organisationsteam bestimmtes Gremium die Vorschläge aus und schlägt dem Organisationsteam Preisträger*innen vor. Über diese wird dann im CSD-Plenum basisdemokratisch abgestimmt.

Preisträger*innen im Jubiläumsjahr 2022

Peter Thürer

Peter Thürer ist ein Urgestein der queeren Bewegung in Leipzig und der Aidshilfe Leipzig, für die er Jahrzehnte lang arbeitete. Der Sexualpädagoge und Berater für Familienplanung (M.A.) rief im Jahr 1992, zusammen mit anderen engagierten Menschen, den ersten Christopher Street Day in Leipzig ins Leben. Die folgenden 30 Jahre widmete Peter sein Leben mit Leidenschaft, Herz und Verstand Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert, stigmatisiert und ausgegrenzt wurden – weil Sie nicht in die „Norm“ passten oder weil sie sich mit einem Virus infizierten und dafür wie Aussätzige behandelt wurden. Er wurde nie müde für Gleichberechtigung und Respekt für alle Menschen, gleich welcher Lebens- oder Liebensweise, zu kämpfen. Im Jahr 2022 übernahm Peter anlässlich des 30. Jubiläums die Rolle des CSD-Botschafters.

Mehr zur Geschichte des Leipziger CSDs könnt ihr hier nachlesen.

Foto: Tobias Möritz
Queer Refugees Network (RosaLinde Leipzig e.V.)

Seit über drei Jahrzehnten ist der RosaLinde Leipzig e.V. ein Grundpfeiler queeren Engagements in Leipzig. Viele wichtige Projekte gingen aus ihm hervor, die zum Teil bis heute bestehen. Insbesondere die Arbeit des Queer Refugees Network Leipzig (QRN) bewegt uns sehr. Das Netzwerk leistet eine schwere, aber umso wichtigere Arbeit, die unzähligen vor Verfolgung, Tod und Krieg geflüchteten queeren Menschen geholfen und ihnen eine neue Perspektive in unserem Land gegeben hat. Das QRN gibt den Menschen eine Stimme, die von der Mehrheitsgesellschaft gleich mehrfach diskriminiert werden; nicht „nur“ wegen ihrer Sexualität oder ihres Geschlechts, sondern auch z.B. aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Sprache. Eine kräftezehrende Arbeit und doch werden die Mitarbeitenden des QRN nicht müde und gehen sie Tag für Tag wieder mit Elan und voller Kraft an.

Foto: Tobias Möritz