Grußwort Botschafter*innen 2018

Liebe Queere* Community, liebe Unterstützer*innen,
ENDLICH! Die Ehe für alle ist da! Und damit sind alle unsere Probleme gelöst. Oder?! Wir haben seit dem vergangenen Jahr sehr viel erreicht. Die gleichgeschlechtliche Ehe wurde eingeführt, ein drittes Geschlecht wird anerkannt und Transgeschlechtlichkeit wird von der WHO nicht länger als psychische Krankheit betrachtet.
Doch insbesondere Queere* Personen erfahren nach wie vor Diskriminierung, Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Gründe sind unter anderem fehlende Aufklärung, mangelnde Sichtbarkeit und Berührungsängste. Insbesondere Jugendliche benötigen daher sichere Anlaufstellen bei welchen sie offen über „Tabuthemen“ reden und sich anderen gleichgesinnten Jugendlichen anvertrauen können. Wir, die JuLe und JungS Leipzig sind eine dieser Anlaufstellen. Bei uns treffen sich junge Menschen von 14 bis 27 Jahren, welche Fragen zu ihrer Sexualität haben, sich ihrer Sexualität nicht sicher sind oder einfach Kontakte zur LGBTQAI* Community suchen. Zweimal im Monat treffen wir uns, um einen gemeinsamen Abend zu gestalten, sei es in Form eines Workshops, Ausfluges oder zum gemütlichen Ausklang der Woche.
Dabei wird uns immer wieder bewusst, dass Toleranz und Akzeptanz auch außerhalb von Gruppen wie diesen Normalität innerhalb unserer Gesellschaft sein sollten. Dieser Grundgedanke, welcher schon hinter dem ersten Christopher Street Day stand und für den jährlich weltweit zahlreiche Menschen auf die Straße gehen, bleibt unverändert und ist aktueller denn je.
Aus diesem Grund gilt unser Dank allen Menschen die sich FÜR gegenseitigen Respekt sowie ein friedliches Miteinander einsetzen und sich GEGEN Rassismus, Sexismus, Homo-, Trans*- und Interfeindlichkeit stellen.

Statement zur Aktion rosa Kirche

Im Rahmen der Auswertung des CSD Leipzig und des erhaltenen Feedbacks wurden auch die symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche zum CSD-Straßenfest ausführlich besprochen.

2016-csd-markt-fotografie-freydank_01Wir freuen uns, dass so viele Menschen an der Aktion teilgenommen und sogar vor der rosa Kirche angestanden haben. Der große Zuspruch bestätigt, es gibt eine Sehnsucht, bedingungslos willkommen zu sein. Auch die vom CSD-Plenum zur Durchführung der symbolischen Trauungen angefragte Ute Elisabeth Gabelmann war von der Zahl und Vielfältigkeit der Menschen beeindruckt.

Allerdings gab es auch Kritik, die Aktion wäre eine reine Spaßaktion und würde insbesondere die christliche Religion diffamieren.
Dem möchten wir auch öffentlich noch einmal entschieden widersprechen.

Natürlich war die Aktion auch mit einem leichten Augenzwinkern verbunden – die Botschaft der symbolischen Trauungen in der aufblasbaren rosa Kirche war für uns jedoch von Beginn an klar: Ein großer Teil der LGBTI* Community ist religiös. Wir wollten mit dieser Protestaktion ein generelles Statement setzen, dass in keiner Religion die Liebe ihrer gleichgeschlechtlichen Anhänger*innen so gleichwertig behandelt wird, wie die heteronormative Ehe. Das ist ein trauriger Fakt.
Deshalb haben wir den Aufruf zur rosa Kirche auch mit der Forderung kombiniert: Dass die Wertigkeit einer Ehe nicht von der Zusammenstellung ihrer Partner*innen abhängig sein sollte.
Dies kann man sowohl auf den LGBTI* Kontext beziehen, aber z.B. auch auf die Frage der Ehe geschiedener Menschen.
Der CSD hat nicht die Absicht Religionen zu diffamieren, auch nicht insbesondere die christliche, aber wir treten ihnen kritisch gegenüber und legen den Finger in die Wunde. Und das ist auch in Anbetracht der Geschichte der CSD-Bewegung wichtig.
Natürlich ist es so, dass durch eine aufblasbare rosa Kirche insbesondere das Christentum, in den Fokus gerückt wird. Die katholische und evangelische Kirche ist jedoch auch die maßgebliche in Deutschland und symbolisiert hier mit ihren Sakralbauten Religion im Allgemeinen.

Zu keiner Zeit stellten wir die Wertigkeit einer religiösen Ehe in Frage. Vielmehr verdeutlicht die Aktion, wie groß der Wunsch vieler Menschen nach einer gleichwertigen Anerkennung ihrer Liebe ist.

Letztendlich haben wir unser Ziel erreicht und einen Diskurs wieder angestoßen. Eine inhaltliche Debatte ist auf einem Straßenfest nicht zu leisten. Dafür gibt es die vorangestellte Veranstaltungswoche, in der wir es immerhin geschafft haben, dass beim Podiumsgespräch im Neuen Rathaus zwei Weltreligionen, Judentum und Islam, ins Gespräch gekommen sind.

Abschließend möchten wir alle religiösen LGBTI* dazu ermutigen Diskriminierungen in ihrer Religionsgemeinschaft nicht stumm hinzunehmen. Ergreift das Wort, sprecht mit den Vertreter*innen der Religionen, stellt althergebrachte, vielleicht konservative Auffassungen und Auslegungen in Frage. Es gibt Ansprechpartner*innen.
Taddiken grüner PulloverIn Leipzig ergänzt die evangelische Thomaspfarrerin Britta Taddiken ihre Botschaft: „Ihr braucht keine rosa Plastik -Kirchen, geht in die realen und redet mit uns.“
Sollte einem diese Bereitschaft jedoch konsequent verwehrt werden, hier möchten wir aus unserer Podiumsdiskussion den orthodoxen Rabbiner Zsolt Balla zitieren, „…muss jeder Mensch wissen, ob diese Religion dann die richtige für ihn/sie ist und nicht vielleicht doch eine andere, die der eigenen Lebenswirklichkeit entspricht“.

Grußwort Britta Taddiken – Botschafterin 2016

Gottseidank gibt es den CSD auch in Leipzig nunmehr als bewährte Tradition! In den letzten Monaten ist deutlich geworden, wie wichtig es ist, für Vielfalt, Toleranz und für ein friedliches Miteinander der Verschiedenen einzutreten. Machen wir uns nichts vor: Der völkisch-nationale Rechtsrutsch in einigen osteuropäischen Nachbarländern und das abwertend-verächtliche Gerede auf Pegida- und Taddiken grüner PulloverLegidakundgebungen betrifft in besonderer Weise die Community von Lesben und Schwulen. Nicht zuletzt ließ eine Anfrage der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag aufhorchen, wie viele Homosexuelle es in Thüringen gäbe. Es ist nicht zu übersehen: Die Bereitschaft, in Bezug auf Homosexualität auch rechtlich zu „alten Zeiten“ zurückzukehren, ist da und der auf Spaltung angelegte Kurs rechtspopulistischer Parteien und Vereinigungen in Europa betrifft auch das Miteinander von Menschen verschiedener sexueller Orientierungen. Die Hemmschwelle, gleichgeschlechtlich liebende Menschen zu diskriminieren, ist deutlich gesunken. Aber auch die verdeckte Diskriminierung ist nach wie vor da. Auch im kirchlichen Bereich ist dies an vielen Stellen leider sichtbar, auch wenn dies von leitenden Gremien zurückgewiesen wird. Aber es gibt auch Landeskirchen, in denen es selbstverständlich ist, dass ein verheiratetes männliches Pfarrerpaar gemeinsam im Pfarrhaus lebt und wirkt und wo einzig und allein eines zählt: dass die beiden ihre Arbeit gut machen und in Liebe und mit Respekt auf die ihnen anvertrauten Menschen zugehen. Dass es irgendwann normal sein wird, dass hetero-und homosexuelle Menschen nicht nur rechtlich gleichgestellt sind, sondern sich derselben Achtung und desselben Schutzes unserer Gesellschaft sicher sein können – dafür haben wir in Leipzig und in Sachsen noch auf vielen Ebenen zu arbeiten. So möge dieser CSD dazu beitragen, hier etwas voranzubringen. Ich wünsche allen, die an den Veranstaltungen teilnehmen, gute und erkenntnisreiche Tage!

Ihre Britta Taddiken, Pfarrerin der Thomaskirche in Leipzig

CSD Botschafterin 2016 – Britta Taddiken

Thomaspfarrerin Britta Taddiken wird Botschafterin des CSD Leipzig 2016

Der Christopher Street Day Leipzig wird in diesem Jahr unter dem besonderen Fokus des Umgangs der Religionen mit sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten stehen. Zu diesem sehr wichtigen und vielschichtigen Thema konnte die Pfarrerin der Thomaskirche, Britta Taddiken, als Botschafterin gewonnen werden. Sie selbst sieht eine dringende Notwendigkeit darin „für Vielfalt, Toleranz und für ein friedliches Miteinander der Verschiedenen einzutreten.“ Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien in einigen osteuropäischen Ländern, sowie die die abwertenden Reden auf Pegida- und Legidakundgebungen vergiften laut ihrer Einschätzung „auch das Miteinander von Menschen verschiedener sexueller Orientierungen.“Taddiken grüner Pullover

Besonders Sachsen scheint für eine restriktive Haltung zu stehen, was nicht nur das Thema der „Ehe für alle“ betrifft. So erkennt Frau Taddiken: „…auch die verdeckte Diskriminierung ist nach wie vor da. Auch im kirchlichen Bereich ist dies an vielen Stellen leider sichtbar, auch wenn dies von leitenden Gremien zurückgewiesen wird.“ Besonders in Erinnerung bleibt zu diesem Thema der Wegzug eines sächsischen Pfarrerspärchens, die nach Norddeutschland gingen, um eine Gemeinde übernehmen zu können. Rein formell wäre dies auch in Sachsen möglich gewesen. Jedoch steht die sächsische Landeskirche in dem Ruf fest an alten, überholten, Traditionen festzuhalten. Nicht zuletzt der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing ist ein Beispiel dafür. Seine Haltung: Alles abseits der Heteronormativität entspricht nicht dem Willen Gottes.

„Dass es irgendwann normal sein wird, dass hetero-und homosexuelle Menschen nicht nur rechtlich gleichgestellt sind, sondern sich derselben Achtung und desselben Schutzes unserer Gesellschaft sicher sein können.“ Das ist ein ausdrücklicher Wunsch der Thomaspfarrerin, sie erkennt aber gleichzeitig, dass in Sachsen und Leipzig noch auf vielen Ebenen zu arbeiten ist. Sie hofft, dass der diesjährige Christopher Street Day in Leipzig dazu beitragen kann und wird.

Botschaft zum CSD Leipzig 2015

Im Allgemeinen spielt die Frage der Sexualität vor allem im Jugendalter eine große Rolle. Da man gerade im Schulalter die eigene Sexualität selbst das erste Mal wahrnimmt, ist es auch in dieser Zeit besonders wichtig, Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass die Vielfalt an Formen der Sexualität ganz normal zum Leben dazu gehört.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass in jedem Fach zu jeder Zeit jede Form der Sexualität behandelt werden muss. Es geht nicht darum, Textaufgaben generell auf homosexuelle Familien umzustellen, sondern darum, Heterosexualität nicht als die einzige Möglichkeit darzustellen. So könnten beispielsweise in sprachlichen Fächern, Bücher mit der Thematik des Findens der eigenen Sexualität in den Lesekanon aufgenommen werden. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass über sexuelle Orientierungen ohne Ängste gesprochen werden kann – ergo: ein Coming-Out muss durch den Lehrplan als selbstverständlich vermittelt und darf nicht totgeschwiegen werden.

Vor allem durch einen zeitgemäßen und vielfältigen Sexualkundeunterricht, in dem nicht nur Heterosexualität als einzige Form der Sexualität behandelt und damit als „normal“ dargestellt wird, muss diese Thematik stärker beleuchtet und eine bessere Aufklärungsarbeit gewährleistet werden. Besonders sollten dabei die angewendeten Methoden den heutigen Standards angepasst und regelmäßig evaluiert werden.
Insgesamt kann und muss die Schule einen großen Beitrag dazu leisten, Diskriminierungen und Ausgrenzungen vorzubeugen, um Schüler*innen, egal welcher Sexualität und Lebensweise, mehr Selbstbewusstsein zu geben und ihnen die Freiheit einzuräumen ihre individuelle Persönlichkeit zu entwickeln.
Der StadtSchüler*innenRat Leipzig unterstützt entschieden die Forderung nach einem inklusiven und vielfältigen Bildungsplan im Freistaat Sachsen.

Marco Rietzschel und Sarah Hönemann, Stadtschüler*innenRat Leipzig

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Botschaft zum CSD 2014

Botschafter Robert EhrlichNew York City, USA, am 28.06.1969. Ein ganz normaler Samstag, eine ganz normale Polizeirazzia auf eine von LSBTI frequentierte Bar, den Stonewall Inn in der Christopher Street. Diesmal geschieht aber etwas Unerhörtes: Die Geprügelten verteidigen sich, organisieren sich sogar in den folgenden Tagen, um weitere Übergriffe der Staatsmacht besser abwehren zu können. An diesen Kristallisationspunkt, diesen Meilenstein in der Entwicklung eines selbstbewussten Widerstands gegen Unterdrückung, Vorurteile und Willkür erinnert der Christopher Street Day.

Während wir CSD feiern, werden andere – in knapp 70 Ländern – von der Justiz verfolgt. Die meisten Schlagzeilen kommen aus Afrika oder Russland, aber auch touristische „Traumziele“ wie Dubai, Jamaika und die Malediven sind für LSTBI hochgefährliche Orte. Etwa ein Dutzend Jurisdiktionen ahnden Homosexualität sogar mit der Todesstrafe, neuerdings auch Brunei. Die unerschrockenen Menschen, die sich in diesen Ländern zur Wehr setzen, brauchen dringend unsere Unterstützung, sie müssen im Extremfall ohne weitere Schikanen Asyl bekommen. Regierungen und NGOs müssen die Bereitstellung von Entwicklungshilfe eng mit der Wahrung der Menschenrechte von LSTBI verknüpfen.

Empört Euch! Aber bitte ohne zu vergessen, welch lange Wege gerade unsere EU-Heimatstaaten in kurzer Zeit gegangen sind. Mein eigenes Coming-Out im Oktober 1983 war zugleich und zwingend ein Schritt in die Illegalität. Mit 18 Jahren war ich zwar alt genug zu wählen, (eine Frau) zu heiraten oder als Soldat zu sterben; eine sexuelle Beziehung mit einem Mann blieb mir jedoch bis zu meinem 21. Geburtstag gesetzlich verboten. Razzien in der Szene waren an der Tagesordnung. Küssen oder Händehalten in Anwesenheit eines Dritten? Ein Kriminaldelikt: Erregung öffentlichen Ärgernisses. Die Gerichte erkannten in diesem Zusammenhang gerne die Aussagen polizeilicher Agents Provocateurs als Beweismittel an. Die Thatcher-Regierung versuchte „Homosexuelle Propaganda“ mit der berüchtigten „Clause 28“ auszulöschen. Britische Normalität, vor nur 30 Jahren.
In den 45 Jahren seit Stonewall haben viele Länder gleichgeschlechtliche Liebe entkriminalisiert oder gar rechtlich gleichgestellt. Der heftige Widerstand gegen die Rehabilitierung von Justizopfern (wie etwa Alan Turing) oder eine gründliche Aufklärung der verheerenden Konsequenzen verlogener Sexualmoral (wie in Irland) fängt an zu bröckeln. Malta und Spanien zeigen eindrucksvoll, dass die Staatsräson selbst erzkatholischer Nationen nicht zwangsläufig homophob sein muss. Auch wenn Bundeskanzlerin Merkel sich noch mit der vollständigen Gleichstellung „schwer“ tut, haben ihre französischen und britischen Amtskollegen sich längst von solchen Vorurteilen verabschiedet.
Beim CSD erinnern wir nicht nur: Wir danken allen, die zu dieser positiven Entwicklung beigetragen haben, und feiern die Errungenschaften von Rationalität, Toleranz und Offenheit gegen Dogma, Engstirnigkeit und Verdrängung!

IhrProf. Robert Ehrlich
Rektor der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig

Botschaft zum CSD 2013

Lucie  Veith mit Regengogenfahne 1Liebe  Freunde,

das  Organisationsteam des  CSD Leipzig 2013 hat  solidarisch  das „ I“  in das  Motto des  diesjährigen  CSD  gebracht.  Mit dem „I“  wurde  aus  dem  „ L(i)eben und  l(i)eben  lassen“. Aus  LSBT wird LSBTI.

Lasst uns beim CSD 2013 in Leipzig deutliche politische  Zeichen der  Solidarität setzen,  in Erinnerung an

  • das  Leid und  das Unrecht , das die homosexuellen  Opfer  des  § 175 erlitten haben,  die  bis zum heutigen Tag  auf Gerechtigkeit warten,
  • die  Auswüchse der  rohen  homophoben Gewalt, denen Menschen in vielen Staaten  der Welt immer  noch ausgesetzt sind,
  • die  nicht aufgearbeitete Geschichte, die  Gewalt und  das  Verschweigen lesbisch lebender  Menschen,
  • die  Diskriminierung, die offene Gewalt  an Menschen der  Trans*-  und  Transgendercommunity,
  • das  unsichtbar machen  und  die genitalverstümmelnden  Eingriffe von intersexuellen Menschen ohne deren informierte Einwilligung.

Menschenrechte gelten für alle Menschen – ohne  Ausnahme!

Leipzig war immer ganz vorn dabei, wenn es um den Wandel und die Freiheit ging.

Ich wünsche mir, dass der Wandel auch für intersexuelle  Menschen von Leipzig ausgeht. Intersexuelle Menschen sind die, deren Geschlechtsmerkmale  nach biologischen Maßgaben nicht „eindeutig“ in die Geschlechtskategorien Frau/Mann eingeordnet werden können. Oft werden diese Menschen auch als Menschen mit DSD, mit einer Variante der geschlechtlichen Differenzierung,  als  Hermaphroditen,  Zwitter oder zwischengeschlechtliche Menschen bezeichnet . Diese Menschen wurden und  werden bis zum heutigen Tage  mit  Medikamenten und  mit  geschlechtszuweisenden Operationen „behandelt“ , ohne dass sie darum gebeten hätten. Dies ist ein menschenrechtlicher Skandal.

Es ist schon viel erreicht, es bleibt viel zu tun. Darum rufe  ich alle auf:  Lasst uns gemeinsam  den CSD 2013 in Leipzig zu einem Festival  der Vielfalt, der  Menschenrechte, der  Gerechtigkeit und  der  Liebe machen! Das  Streben der  Menschen nach  Glück, nach Selbstbestimmung, nach Unversehrtheit, nach einem selbstbestimmten Lebensplan, leben und  lieben zu dürfen, das verbindet uns  Menschen.  Viele  Mauern gilt es hier einzureißen und  zu  überwinden:  vor allem die der  Gewalt.  Für  mich ist der  CSD ein Tag der  Freude,  ein Fest für die  Liebe und für  Menschenrechte und  ich danke  dem Organisationsteam und  der  Stadt Leipzig  für das Sichtbarmachen des „I“ und  die  große  Ehre den Schirm über  diese Veranstaltung spannen zu dürfen!

Ich freue mich sehr auf eine  fröhliche  CSD-Parade, ein  buntes politisches Straßenfest, viele gute Begegnungen und  Energie für den Wandel!

Herzliche Grüße   Lucie G. Veith

Botschaft zum CSD 2012

Lazar3Liebe Freund_innen,

es hat mich außerordentlich gefreut, als ich gefragt wurde, die Schirmherrschaft des CSD Leipzig in diesem Jahr zu übernehmen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken und verspreche, dass ich weiterhin in meiner politischen Arbeit Lesben, Schwule, Trans* und Intersexuelle mit voller Kraft unterstützen werde.

Der CSD in Leipzig bekommt in diesem Jahr ein neues Motto:

„Hinter dem Horizont geht’s weiter…“

Damit soll deutlich gemacht werden, dass es jenseits von heterosexuellen Lebensweisen noch eine Vielzahl „queerer“ Lebensweisen gibt und diesen die gleichen Rechte und Pflichten zustehen. Es freut mich sehr, dass gerade die LGBTI-Community ihre eigenen Minderheiten würdigt und sich für ihre Rechte besonders einsetzt. Damit werdet Ihr Euren solidarischen Anspruch gerecht, jenseits der Heteronormativität Vielfalt der sexuellen Identitäten anzuerkennen.

Allerdings sollen wir trotz guter Stimmung, die sicherlich auch 2012 beim CSD Leipzig herrschen wird, nicht vergessen, dass hinter dem Horizont – in vielen Ländern dieser Welt – Lesben, Schwulen, Trans* und Intersexuellen das Leben noch heute zur Hölle gemacht wird. Ihnen drohen hohe Haftstrafen, Folter und in einigen Staaten sogar die Todesstrafe. Auch innerhalb Europas halten einige Politiker_innen und religiöse Führer Hetzreden und stacheln zu Hassverbrechen an. Friedliche Demonstrationen werden verboten oder angegriffen, absurde Gesetze zur „Bekämpfung der homosexuellen Propaganda“ verabschiedet und schließlich Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität beleidigt und geprügelt.

CSD heißt daher auch: Flagge zeigen gegen Menschenrechtsverletzungen an Lesben, Schwulen, Trans* und Intersexuellen, wo immer diese stattfinden. Menschenrechte sind unteilbar. Sie gelten überall und für alle.

Aber wir müssen nicht hinter den Horizont schauen, um Politiker_innen zu finden, die immer noch behaupten, Ihr seid Bürger_innen zweiter Klasse und Eure Liebe ist weniger wert. Noch immer blockieren die schwarz-gelben Regierungen in Berlin wie in Dresden die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften mit der Ehe, noch immer müssen sich transsexuelle Menschen als psychisch krank erklären und eine unwürdige Prozedere vor Gericht durchgehen und nicht zuletzt werden Intersexuelle weiterhin im deutschen Recht völlig ignoriert.

Wir haben also genug Gründe, um weiter zu kämpfen. Aber auch um zu feiern. Und deshalb gibt es den CSD – nicht hinter dem Horizont – sondern bei uns in Leipzig!

Daher wünsche ich – auch im Namen der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen – dem CSD 2012 in Leipzig spannende Veranstaltungen, viel Erfolg, gute Stimmung, phantastisches Wetter und dass Eure und unsere gesellschaftspolitischen Forderungen alle aufgriffen werden.

Eure Monika Lazar

Botschafter*innen des CSD Leipzig 2011

Als besonderes Novum präsentieren wir 2011 erstmals 3 bedeutende Personen aus den Bereichen Theologie, Politik und Sport, in denen das Thema Homophobie aktuell ist.

Tanja Walther-Ahrens

Pressefoto  tanja walther-ahrensVon vielen Seiten wird behauptet, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität im Sport ganz allgemein und im Fußball im Besonderen noch nicht angekommen ist. Da stellt sich Frage: Ist das tatsächlich so? Oder ist die gesellschaftliche Akzeptanz vielleicht gar nicht so hoch wie angenommen? Gibt es in der Politik nur eine Handvoll Schwule und gar keine Lesbe in den Führungsebenen? In den Medien gibt es homosexuelle KomikerInnen, eine lesbische Moderatorin und sonst? Wo sind die offen lesbisch und schwul lebenden ManagerInnen der Top Wirtschaftsunternehmen? Was ist mit all den Lesben und Schwulen, die sich nicht trauen, sich an ihrem Arbeitsplatz zu outen, weil sie befürchten, die Kollegen und Kolleginnen oder die Chefetage legen ihnen dann Steine in den Weg? Warum fällt es Homosexuellen auch im Jahr 2011 immer noch schwer sich im Familien- und Freundeskreis zu outen, wenn doch alle so tolerant sind?

Meiner Einschätzung nach ist die Situation von Homosexuellen im Sport nicht „schlimmer“ als im großen Rest der Gesellschaft. Sport und ganz besonders Fußball ist jedoch ein sehr prominenter Lebensbereich mit einem hohen Stellenwert. Daher ist es besonders wichtig, dass Lesben, Schwule und Trans im Sport sichtbar sind und die vielfältigen Formen der Homophobie, d.h. der Feindlichkeit und Diskriminierung gegenüber Homosexuellen, bewusst gemacht werden.

So lange Sponsoren und Medien sich gegenseitig außerhalb der Öffentlichkeit fragen „Warum um Himmels Willen macht ihr denn Frauenfußball. Die Lesben will doch keiner sehen!“ Und die Suche nach dem ersten schwulen Fußballer mehr einer Jagd als allem anderen gleicht, ist die Lösung auf keinen Fall die Fußballerinnen weiblicher zu machen und die Fußballer verstummen zu lassen. Fußball ist das liebste Spiel aller Deutschen, egal ob Mann ob Frau, ob Homo oder Hetero, es bietet sich also an, diese Wirkungskraft zu nutzen und sie auf andere Sportorganisationen und -arten auszudehnen.

Der im Mai 2011 ausgegebenen Devise der Fans des FC Sachsen Leipzig als Schriftzug auf T-Shirts: „Fußball bleibt homofrei!“ bleibt nur entgegen zu halten: Homophobie ist heilbar!!!!

In diesem Sinne wünsche ich einen politischen, bunten, vielfältigen, aufregenden und vor allem freudvollen CSD 2011!

Ihre Tanja Walther-Ahrens

Dr. David Berger

Berger_David_c_Hans_Scherhaufer_small„Homophobie ist heilbar“ ist auch in diesem Jahr wieder die Botschaft, die der Leipziger CSD zu seinem Motto gemacht hat. Dies scheint gerade in diesem Jahr besonders angebracht. Wird doch in wenigen Wochen unter dem fast ungeteilten Jubel vieler Politiker und einflussreicher Medien ein Papst in Deutschland zu einem Staatsbesuch erwartet, der alle seine Vorgänger im Hinblick auf die Homophobie im negativen Sinne weit überragt. Unter seiner Führung ist in der katholischen Kirche ein Klima der homophob motivierten Angst, Unterdrückung und Erpressung entstanden, das seinesgleichen in ganz Europa vergeblich sucht. Daher habe ich – gerade als schwuler katholischer Theologe – die Einladung gerne angenommen,  die Schirmherrschaft für diesen CSD  zu übernehmen.

Der Blick auf die katholische Kirche sollte uns allerdings nicht vergessen lassen, dass die Homophobie auch in anderen Bereichen immer noch wie selbstverständlich vor sich hinwuchert: Man denke nur an die muslimischen Hassprediger und die homophoben Übergiffe, die sie auslösen. Man denke an die gemäßigtere, aber nicht zu unterschätzende Homophobie im Sport, besonders dem Männerfußball, in bestimmten Formen einer rückwärtsgewandten Politik, im Schul- und Erziehungsbereich usw. Kaum einer unter uns, der nicht schon die eine oder andere aus Homophobie herrührende böse Erfahrung hat machen müssen.

Dennoch kann man insgesamt erleichtert feststellen, dass die Homophobie in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Dies hat wissenschaftlich nachweisbar vor allem einen Grund: das selbstbewusste Sichtbarwerden von Schwulen und Lesben in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Das Sichtbarwerden nicht nur von einigen Politikern und Showgrößen – sondern noch viel wichtiger von ganz normalen Menschen in ihrem Alltags- und Berufsleben. Aber dieses unverzichtbare Sichtbarwerden geschieht eben auch durch eine und auf einer Veranstaltung wie dem CSD. Ein CSD, mit dem wir unmissverständlich und unübersehbar ein politisch-gesellschaftliches Signal gegen alle Formen der Homophobie setzen. Ein CSD, auf dem wir auch durch Spaß, Freude und Feiern unserem Selbstbewusstsein eine besondere Ausdrucksform geben. Ein CSD, wo wir auch innerhalb unserer Community Vielfalt zulassen und zeigen und so den Stereotypen und Vorurteilen Paroli bieten, von denen sich alle Homophobie nährt.

Von dem großen Philosophen und Aufklärer G.E. Lessing stammt das schöne Kompliment, in Leipzig könne man, die „ganze Welt im Kleinen sehen“. In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern einen gelungenen CSD Leipzig 2011, der uns die ganze lesbisch-schwule Welt sehen lässt. Möge auch in diesem Jahr von Leipzig  ein unüberhörbares und nachhaltig wirksames Signal gegen alle Formen der Homophobie ausgehen.

Ihr Dr. David Berger

Wolfgang Tiefensee

TiefenseeLiebe Besucherinnen und Besucher des Christopher-Street-Days Leipzig, als Schirmherr, stellvertretend für den Bereich Politik, freue ich mich über ihr Interesse am CSD Leipzig.Der CSD in Leipzig ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition geworden, der durch seinen besonderen Schwerpunkt auf die politische Botschaft, weit über Leipzig hinaus bekannt geworden ist.
Wenn am 9. Juli wieder tausende Menschen unter dem Motto „Homophobie ist heilbar“ demonstrierend durch die Leipziger Innenstadt ziehen, wird dies auch in Dresden und Berlin wahrgenommen werden.
Und das ist leider nach wie vor nötig. Denn auch 17 Jahre nach der endgültigen Abschaffung des Paragraphen 175,   5 Jahre nach der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und im 10. Jahr der Einführung
des Lebenspartnerschaftsgesetzes, ist die rechtliche Gleichstellung zwischen Homo- und heterosexuellen Paaren nicht erreicht. In verschiedenen Bundesgesetzen und in 35 Landesgesetzen werden in eingetragener Lebenspartnerschaft lebende Paare nach wie vor gegenüber verheirateten Paaren benachteiligt.
Dabei sollte doch gelten: Gleiche Liebe = gleiche Rechte!
Auch die Erweiterung des Artikels 3 GG um das Merkmal der sexuellen Identität ist längst überfällig.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür beim CSD Leipzig Flagge zeigen.
Ich freue mich nun auf spannende Gespräche auf dem Straßenfest mit ihnen
und wünsche uns allen einen erfolgreichen Christopher-Street- Day 2011.

Ihr Wolfgang Tiefensee

Ralf König ist Schirmherr des Leipziger CSD 2010

koenig1Die diesjährige Schirmherrschaft für den Leipziger CSD übernahm Ralf König, der international bekannte Comic-Zeichner aus Köln. Unserer Meinung nach verdiente das langjährige künstlerische Schaffen von Ralf König eine besondere gesellschaftspolitische Würdigung, weshalb wir uns über seine Schirmherrschaft besonders gefreut haben.

Ralf König hat mit seinen witzigen, hintersinnigen und bewegenden Geschichten (von „Konrad und Paul“ über „Lysistrata“ bis hin zum „Archetyp“) nicht nur stets für beste Unterhaltung, sondern auch immer in einer subtilen Weise nebenbei für Aufklärung gesorgt, so dass Homophobie keine Chance mehr hatte. Seine Bücher werden mittlerweile (fast) in der ganzen Welt verlegt und haben das Coming Out von Generationen von Schwulen positiv begleitet.

Grußwort von Ralf König zum CSD Leipzig 2010

Sieht man sich die Frühgeschichte des CSD in deutschen Landen an, erscheinen doch manche Forderungen einigermassen unrealistisch.heteros-raus

Die Spätgeschichte allerdings trägt in einigen Grosstädten allzu regenbogengefärbte Früchte.energy-truck

Wie erfreulich, dass es in Leipzig noch anders zugeht. Ich höre von viel Spass und einigem Ernst, von quietschvergnügter Zeigefreude und Entschlossenheit und von einem kritischen Blick auf gesellschaftliche Realitäten. Und getanzt wird auch. Na also. Geht doch.

Anfang der 80er Jahre lief ich in Dortmund mit meinem Freund Hand in Hand durch die Fussgängerzone und wir wurden begafft und mit unfreundlichen Bemerkungen versehen. Zumindest in den deutschen Fussgängerzonen hat sich inzwischen einiges getan. Aber das nur, weil wir uns zeigten. Die Entspannung fällt nicht vom Himmel, wir mussten und müssen etwas dafür tun. Da tankt es auf, einmal im Jahr zu sehen, wie viele und wie vielfältig wir sind.

Ich freue mich, Schirmherr des CSD 2010 in Leipzig zu sein! Ich war noch nie irgendwo Schirmherr und hab keine Ahnung, was da genau auf mich zu kommt, aber ich werd Euch schon schirmherren! Und ich bin sicher, dass das, was ich nach wie vor am CSD schätze, massenhaft zu sehen sein wird: Schwule und Lesben, die aus dieser Festivität Selbstvertrauen und Mut ziehen und weitergeben. Und die Heteros dürfen gern mitfeiern oder zumindest freundlich winken.
Da sind wir dann ganz entspannt.koenig-selbstzeichnung